Marc Gini – ein ungeplanter und ein genau geplanter Tanz

Marc Gini – ein ungeplanter und ein genau geplanter Tanz
11.04.2017 18:36:37 | skionline.ch, Peter Gerber
peg. Am Sonntag hat Marc Gini seine Laufbahn als Spitzensportler beendet. Der 32 Jahre alte Bünder, der bisher letzte Schweizer Sieger eines Weltcup-Slaloms, nimmt für skionline.ch zu einigen Stichworten Stellung. Dabei kommen unter anderem die Vergangenheit, die Zukunft, lustige Vögel, ein Tänzchen, eine Champagner-Dusche und die Familienplanung zur Sprache.

Marc Gini über ....

... das letzte Rennen: „Ein unvergesslicher Moment, den ich mit Familie, Freunden und dem Fanclub erleben durfte. Und dann ist es auch noch klebrig-feucht geworden, als die Kollegen mir eine Champagner-Dusche verabreicht haben.“

... die Zukunft: „Die hat begonnen. Ich bin intensiv am lernen, weil in zwei Wochen die nächsten Prüfungen mit den Themen Pathologie, Anatomie, Physiologie im Rahmen meines Studiums zum Physiotherapeuten anstehen. Wenn ich diese Ausbildung abgeschlossen habe möchte ich gerne in irgend einer Form im Sport drin bleiben.“

... die Familie/Familienplanung: „Die beste Ehefrau habe ich bereits.... Familienplanung wird sicher ein Thema sein, aber nicht jetzt aktuell.“

... Grossereignisse: „Da kommt mir Vancouver 2010 in den Sinn. Die Olympischen Spiele waren ein besonderes Erlebnis. Schladming 2013 ist mir von den Weltmeisterschaften noch am präsentesten. Und natürlich die WM in St. Moritz, für die ich mich leider nicht habe qualifizieren können.“

... die grösste Enttäuschung: „Eine grosse Enttäuschung war sicher, dass ich in St. Moritz nicht dabei gewesen bin. Das ist halt noch sehr präsent. Es hat während der Karriere mehrere kleinere und mittlere Enttäuschungen gegeben, aber da eine als die grösste herauszupicken fällt mir jetzt schwer.“

... das schönste Positiv-Erlebnis: „Das ist klar der Sieg auf der Reiteralm 2007. Auch die Tatsache, dass ich meine Knie nach den Verletzungen wieder schmerzfrei hinbekommen habe, ist ein sehr positives Erlebnis für mich.“

... den Siegestanz auf der Reiteralm: „Das war überhaupt nicht geplant und ist aus der Situation und Emotion heraus entstanden. Aber dieses Tänzchen ist vielen in Erinnerung geblieben. Nach dem letzten Rennen in Davos habe ich ihn noch einmal gezeigt. Diesmal war er geplant,

... die Weltcup-Teams: „Ich habe viele Trainer und Team-Kollegen erlebt. Ganz speziell für mich war die Phase mit Daniel Albrecht, Marc Berthod, Sandro Viletta und Beat Feuz. Da herrschte eine ganz besondere Gruppendynamik. Wir waren alle im Aufstieg und wir haben uns gegenseitig gepusht. Danach gab es Zeiten, da hat die Slalom-Gruppe aus zwei oder drei Fahrern bestanden und jetzt sind die jungen Fahrer da – alles lustige Vögel. Jetzt mit Luca Aerni, Daniel Yule, Reto Schmidiger, Ramon Zenhäusern ist eine vergleichbare Gruppe am wachsen. Die Jungs pushen sich auch gegenseitig.“

... schlaflose Nächte: „Vor den Rennen hatte ich das zum Glück nicht. Jüngst hat es das gegeben weil es darum gegangen ist, ob ich weiter mache oder die Karriere beende. Das war recht schwierig, weil ich ja darauf programmiert bin, zu kämpfen. Als dann aber das Gefühl und die innere Stimme gesagt haben ‚es ist gut jetzt’, war es schwierig, das auch akzeptieren und letztlich auch loslassen zu können.“

... die neue Zuschauerrolle: „Ich werde ganz sicher ein interessierter und aktiver Zuschauer des Weltcup-Geschehens sein und mir auch vor Ort Rennen anschauen. Vielleicht schaue ich gelegentlich auch auf der FIS-App nach, wie viele Punkte die Jungs gerade so gemacht haben. Und ich habe ja auch im Sinn, irgendwie in einer Funktion dabei sein zu können – das muss ja dann nicht zwingend im Zielraum sein.“

... einen Joker: "Für die Schweizer Nachwuchsfahrer: Jede Mühe und jeder Schweisstropfen lohnt sich für den Traum, Weltcupfahrer zu werden. Never get out oft he fight!"


Marc Gini. – Geboren am 8. November 1984. – Weltcup: 1. Weltcup-Rennen am 5. Januar 2003 in Kranjska Gora. 124 Rennen, 1 Sieg, – Weltmeisterschaften: 2005 (Bormio), 2007 (Are), 2009 (Val d'Isère), 2011 (Garmisch), 2013 (Schladming). – Olympische Spiele: 2010 (Vancouver). – Europacup: 117 Rennen, 4 Siege. – Schweizer Meisterschaften: 2005, 2006, 2007 und 2009 Schweizer Meister im Slalom; 2006 Schweizer Meister im Riesenslalom; 2008 Schweizer Meister in der Kombination. – www.ginimarc.ch
Foto: Agence Zoom