Schröcksnadel-Sager sorgt in Österreich für Erstaunen

Schröcksnadel-Sager sorgt in Österreich für Erstaunen
11.01.2017 15:12:26 | skionline.ch, Peter Gerber
peg/APA. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel soll laut Medienberichten Michaela Kirchgasser den Rücktritt nahe gelegt haben. Soll, denn so habe er das nicht gesagt, heisst es.

Österreich hat den Anspruch, Ski-Nation Nummer 1 zu sein. Auch bei den Frauen. Die Fakten zeigen aber auf, dass der ÖSV mit dem 2. Platz von Cornelia Hütter in der Abfahrt von Val d'Isère im Winter 2016/17 erst einen Podestplatz hat feiern können. Zu wenig auch für den Präsidenten. Im Zielraum des Nachtslaloms von Flachau hatte sich denn Peter Schröcksnadel gegenüber Journalisten auch dazu geäussert. Man dürfe nicht vergessen, dass gerade in der Disziplin fast ein ganzes Team jüngst aufgehört habe und – ausser Michaela Kirchgasser, die in Flachau nicht hatte starten können – nurmehr junge Fahrerinnen den ÖSV vertreten würden, sagte Schröcksnadel.  So weit, so gut. Auch die nächste Aussage des Präsidenten beinhaltete wenig Zündstoff. "Sie müssen fahren, was sie können, dürfen nicht taktieren und nur versuchen, sich nur für den zweiten Lauf zu qualifizieren. Das halte ich für Unsinn. Mir ist viel lieber, es scheidet eine Junge mit bester Zwischenzeit aus, als sie ist mit einer schlechten Zeit im Ziel. Wir müssen mit den jungen Läuferinnen einfach Geduld haben, die machen das schon", schreibt www.kleinezeitung.at.

Danach aber sagte Schröcksnadel folgendes: "Mit den Arrivierten bin ich gar nicht zufrieden, die müssen mehr bringen, von denen erwarte ich mir mehr. Die müssen wissen, was sie zu tun haben. Nur leider machen sie das nicht so, wie ich es erwarte. Wenn es nicht mehr geht, ist es eben vorbei. Dann muss man aufhören und einfach gehen." Diese Worte, so der Tenor in den österreichischen Medien, soll Schröcksnadel an die Adresse von Michaela Kirchgasser gerichtet und ihr so den Rücktritt nahe gelegt haben. Einer sechsfachen WM-Medaillengewinnerin kurz vor den Weltmeisterschaften in St. Moritz so die Leviten zu lesen, erstaunt doch sehr. skionline.ch hat beim österreichischen Cheftrainer der Frauen nachgefragt. "Das ist eine Fehlinterpretation der Aussage durch die Journalisten", erklärt Jürgen Kriechbaum, der mit Peter Schröcksnadel über diesen "Fall" gesprochen hat.

"Fakt ist, dass Peter Schröcksnadel das so nie an die Person von Michaela Kirchgasser gerichtet, sondern das ganz allgemein gesagt hat." Schröcksnadel wisse sehr wohl, was der ÖSV an Michaela Kirchgasser habe und könne differenzieren, so Kriechbaum. Schliesslich würde es sich bei einer gesunden Michaela Kirchgasser an der WM um eine Medaillenkandidatin (Kombination) des ÖSV handeln. "Beispiele eines Manfred Mölgg oder in der Schweiz einer Fabienne Suter zeigen, dass auch erfahrene Athletinnen und Athleten ein Formtief haben und sich daraus zurück kämpfen können. Das weiss auch unser Präsident", so Kriechbaum, für den dieser Wirbel aus einem klassischen Missverständnis heraus entstanden ist.

Wen Schröcksnadel gemeint haben könnte, war auch für den Coach ein Rätsel. "Vielleicht jemanden bei den Herren? Das muss man ihn persönlich fragen", sagte Kriechbaum. "Er beurteilt sehr viele Dinge und hat eine kräftige Meinung, das ist zu respektieren. Aber wenn er jemand konkret gemeint hat, sollte er es denen direkt sagen und nicht über die Presse."
Foto: Agence Zoom