Semyel Bissig muss eine bittere Pille schlucken

Semyel Bissig muss eine bittere Pille schlucken
19.01.2016 21:46:31 | skionline.ch, Peter Gerber
peg. Dicke Luft vor Beginn der Winter Youth Olympic Games in Lillehammer. Skirennfahrer Semyel Bissig hat mit der Selektion gerechnet, ist jetzt aber nicht dabei. Und entsprechend enttäuscht.

An den Winter Youth Olympic Games in Lillehammer (12. bis 21. Februar 2016) werden Joel Oehrli und Maurus Sparr (beide Jahrgang 1998) die alpinen Skirennen für die Schweiz bestreiten. Semyel Bissig – auch er mit Jahrgang 1998 – wollte in Norwegen Medaillen gewinnen (vgl. Bericht vom 14. August 2015), ist dort aber nicht am Start. Bissig fehlt in der Namensliste der selektionierten Fahrerinnen und Fahrer (vgl. Bericht vom 19. Januar 2016). Weil er sich auf sportlichem Weg für die Selektion aufgedrängt und mit einer solchen lange gerechnet hat, ist die Enttäuschung beim Nachwuchsfahrer gross. Mit einem Eintrag auf Facebook hat  sich der Nidwaldner denn auch just an seinem 18. Geburtstag (19. Januar) an die Öffentlichkeit gewandt.

"Da ich seit meinem 6. Lebensjahr privat mit meiner Mutter trainiere war unsere Bedingung, dass sie als mein Trainer und meine Vertrauensperson dabei sein soll. Wir haben auch klar gesagt, dass wir alle Kosten selbst übernehmen werden. Es kam für mich sicherlich nicht in Frage, ohne Sie nach Lillehammer zu reisen", schreibt Semyel Bissig. Beat Tschuor, Nachwuchs-Chef bei Swiss Ski, bestätigt gegenüber skionline.ch den Sachverhalt, dass Semyel Bissig als eigentliche Nummer 1 selektioniert worden ist. "Ich bedaure sehr, dass Semyel  durch seine aktuelle Betreuer-Situation nicht berücksichtigt werden konnte. Seymel hat unser Aufgebot jedoch von sich aus abgelehnt. Er war aufgrund seiner bisherigen Leistungen von uns bei Swiss Olympic als teilnehmender Athlet gemeldet gewesen."

Tschuor wie auch Semyel Bissig berichten davon, dass bereits im Sommer Gespräche zwischen Petra Bissig, der Mutter und Trainerin, und dem Nachwuchs-Chef stattgefunden haben. Weil die Youth Olympic Games ein Anlass sind, der nicht von Swiss Ski organisiert wird und die Anzahl der Betreuer, die ein Verband akkreditieren kann limitiert ist, sei es nicht möglich, Mutter Bissig als Coach oder Trainerin für Lillehammer zu melden, erklärt Tschuor. "Als Mutter hätte sie selbstverständlich anreisen können, dann allerdings hätte sei nicht im Village bei den Sportlern und Betreuern wohnen können", sagt Tschuor.  Für die Betreuung der zwei Athletinnen und zwei Athleten des alpinen Skisportes habe Tschuor laut dessen Auskunft zwei Trainer, einen Servucemann und eine Physiotherapeutin, die aber auch für andere Sportlerinnen und Sportler zuständig sein werde, akkreditieren können. Damit sei das zur Verfügung stehende Kontingent ausgeschöpft gewesen. "Die Youth Olympic Games sind primär ein Ausbildungsanlass für die Aktiven und Betreuer eines Verbandes", hält Tschuor fest.

"Letzte Woche haben wir nochmal unseren Standpunkt mit dem Verband besprochen und man hat uns gesagt, dass man das Bestmögliche versuchen würde. Dann haben wir einige Tage nichts gehört und schlussendlich kamen dann am 18. Januar die offiziellen Selektionen raus. Man hat mich, ohne mir etwas zu sagen, einfach aus den Selektionen gestrichen und einen anderen Athleten aufgeboten. Man hatte nicht einmal die menschliche Grösse, mich anzurufen und zu sagen, dass es leider keine Möglichkeit gibt, dass ich mit meinem Trainer nach Lillehammer reisen kann", schreibt Semyel Bissig in seinem Posting weiter. Tschuor räumt ein, dass er mit Semyel nicht direkt gesprochen habe. "Ich habe jedoch mit seiner Mutter und Trainerin mehrfach telefonisch und schriftlich Kontakt gehabt und ihr die Situation erläutert, weil sie ja nicht nur die Trainerin, sondern auch die gesetzliche Vertreterin des 17-Jährigen ist."

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