Christian Brüesch: "Alle haben wichtige Erfahrungen gesammelt"

Christian Brüesch:
16.02.2017 16:04:57 | skionline.ch, Peter Gerber
peg. Das junge Quartett der Schweizerinnen mit Simone Wild (23/Bild), Jasmina Suter (21), Melanie Meillard (18) und Camille Rast (17) hat nicht enttäuscht – aber auch nicht überraschen können.

Simone Wild lag nach dem 1. Lauf des WM-Riesenslaloms in St. Moritz in Tuchfühlung mit der absoluten Spitze. Nach einem wirklich guten Lauf lag die Zürcherin an fünfter Stelle. Im 2. Lauf stimmte in der Fahrt der 23-Jährigen einiges nicht mehr und sie fiel auf Position 14 und auch hinter Melanie Meillard zurück.

Christian Brüesch (Bild links) ist als Trainer im Europacup mit Wild, Jasmina Suter und Camille Rast unterwegs und kann beurteilen, ob seine Schützlinge ihr Potenzial beim allerersten Auftritt an einer WM haben abrufen können. Brüesch war in St. Moritz als Mitglied der Swiss-Ski-Trainer-Crew auf der Piste und hautnah am Geschehen dran.

"Melanie Meillard hat einen wirklich guten zweiten Lauf gezeigt", hält Brüesch fest. "Mit der achtbesten Laufzeit in der Entscheidung hat sie eine gute Leistung gebracht. Im ersten Lauf hat sie nicht das gezeigt, was sie drauf hat. So ab Mitte des Laufes war plötzlich die Risikobereitschaft nicht mehr da und Melanies fuhr – für sie untypisch – mit zu wenig Entschlossenheit."

Auch für Jasmina Suter, die als Ersatz für die verletzte Lara Gut ins Team rutschte, war St. Moritz die erste WM-Teilnahme bei der Elite. Die 21-jährige Junioren-Weltmeisterin brachte den 1. Lauf nicht ins Ziel. Bei der Schwyzerin, so Brüesch, habe das Verhängnis schon früh im Rennen begonnen. "Der frühe Fehler hat Jasmina sichtlich aus dem Konzept gebracht. Sie konnte danach nicht mehr befreit fahren und hat einen Fehler nach dem andern gemacht. Schade, das ging wirklich in die Hose", so des Trainers Fazit.

Bei Simone Wild ist Brüesch mit der Leistung im 1. Lauf sehr zufrieden. "Das war eine gute Fahrt, die auch mit einer guten Platzierung belohnt worden ist. Im zweiten Lauf hat sie früh einen entscheidenden Schwung ziemlich verhauen und danach wurde ihre Fahrt zu einem Kampf und Krampf. Sie hat dann versucht, mit direkter Linie etwas gut zu machen. Aber das war dann letztlich zu direkt und konnte nicht aufgehen."

Ganz interessant fiel Brüeschs Analyse bei der Jüngsten im Team aus. Camille Rast, erst 17 Jahre alt, hat in St. Moritz nicht ihre bevorzugten Verhältnisse vorgefunden, sagt der Trainer. "Den 9. Rang beim Weltcup-Rennen in Kronplatz hat Camille auf harter Unterlage erreicht, hier war die Piste nicht gewässert und weich. Camille hat es nicht geschafft, umzustellen. Erst im zweiten Lauf konnte sie sich auf die Verhältnisse besser einstellen. Das war ganz ähnlich wie bei den Europacup-Rennen Mitte Januar in Zinal. Dort war auch erst Camilles zweiter Lauf des ersten Rennens gut. Im zweiten Rennen, einen Tag später, konnte sie mit den Verhältnissen umgehen und sich einstellen. Sie ist dann auf den 4. Platz gefahren. Würde morgen ein zweiter WM-Riesenslalom gefahren, Camille wäre deutlich weiter vorne", so Brüesch. Die Walliserin wolle immer Vollgas geben und das funktioniere nicht auf jeder Unterlage. "Wenn die Piste so ist wie hier in St. Moritz, dann ist ihr angriffiger Fahrstil zu hart. Sie ist noch jung und was das Anpassen an die Verhältnisse betrifft noch nicht ausgereift. Aber das wird sie auch noch lernen", sagt Brüesch zuversichtlich.

Christian Brüesch ist überzeugt davon, dass die am Donnerstag gemachten Erfahrungen für alle vier Schweizerinnen hinsichtlich der Zukunft sehr wertvoll gewesen sind. "Jede kann aus dem eigenen Rennen positive Dinge raus ziehen und von gemachten Fehlern lernen. Alle vier haben heute wichtige Erfahrungen gesammelt. Diese Selektion für den WM-Riesenslalom war eine für die Zukunft."

 
Fotos: Agence Zoom / Swiss Ski