Flugshow – knapp an einer Katastrophe vorbei

Flugshow – knapp an einer Katastrophe vorbei
17.02.2017 12:35:50 | skionline.ch, Peter Gerber
peg/APA. Das Rahmenprogramm an der Ski-WM hätte beinahe in einer Katastrophe geendet. Bei der PC-7-Flugshow touchierte ein Flugzeug das Tragseil der Seilbahn-Kamera, die Kamera stürzte darauf hin in den Zielraum ab. Der 2. Lauf wird, weil auch der Sessellinft abgestellt werden musste, mit Verspätung starten. Bis zum WM-Ende wird es keine Flugvorführungen des PC-7-Teams mehr geben.

Bei der PC-7-Flugshow über den WM-Pisten und dem Zielraum in Salastrains ist es fast zu einem schwerwiegenden Zwischenfall gekommen. Eines der tief über das Ziel auf Salastrains flienden Flugzeuge hat offenbar das Seil der Seilbahn-Kamera touchiert und zerrissen. Darauf ist die Kamera (oder Teile von ihr) in den Zielraum abgestürzt. Es liegen keine Meldungen vor, dass Personen zu Schaden gekommen wären. Auch das Flugzeug ist laut Mitteilung der Poliz anschliessend sicher in Samedan gelandet. Nicht daran zu denken, wenn das Flugzeug durch die Kollision unkontrollierbar geworden wäre oder die Kamera nicht in den Zielraum, sondern auf die Zuschauertribüne gestürzt wäre.

"Wir haben das im Vorfeld schon getestet, sie hätten wissen müssen, wie tief sie fliegen können. Der ist sicher zu tief geflogen. Das wird sicher ein Nachspiel geben", sagte FIS-Renndirektor Markus Waldner im ORF.

Erinnerungen an den Drohen-Vorfall im Dezember 2015 in Madonna di Campiglio kamen auf, als Marcel Hirscher während seiner Fahrt im zweiten Durchgang des Nachtslaloms von einer abstürzenden Drohne nur ganz knapp verfehlt worden warf. Rund um Sport-Großereignisse häufen sich derartige Vorfälle, weil im Zuge der TV-Berichterstattung seit langem Live-Bilder aus der Luft sehr begehrt sind. Auch während der vergangene Sommerspiele in Rio de Janeiro war im Olympia-Park eine Seilkamera aus 20 Metern höhe abgestürzt, dabei wurden sieben Personen verletzt.

Der 2. Lauf des WM-Riesenslaloms der Männer wird wohl erst um 13.30 gestartet. Weil das durch das Flugzeug gekappte Kabel auf das Seil des Sesselliftes gefallen ist, musste dieser vorübergehend abgestellt werden. Dadurch musste ein Teil der Fahrer per Snowmobil transportiert werden und der Start zum 2. Lauf verzögerte sich um eine halbe Stunde.

Unterdessen nahmen Polizei und Militärbehörden Untersuchungen zu dem Vorfall auf, teilte Roman Rüegg von der Kantonspolizei Graubünden in einer kurzen Medieninformation mit. "Ein Flugzeug der Schweizer Luftwaffe aus dem PC-7-Team hat das Tragseil der SRF Kamera touchiert, das Team war seit 11.30 im Einsatz. Das Tragseil fiel runter, es wurde niemand verletzt. Der PC7-Flieger konnte selbständig in Samedan landen", sagte Rüegg. Aus Sicherheitsgründen sei der Sesselbahnbetrieb Salastrains eingestellt worden..

Am späteren Nachmittag gab es eine weitere Information zu dem gefährlichen Vorfall. Man sei in erster Line froh, dass niemand körperlich zu Schaden gekommen sei, hieß es dabei vonseiten der WM-Veranstalter. Das Schweizer Fernsehen erlitt durch den Kameraabsturz allerdings einen Sachschaden von 250'000 Franken. Robert Willi, Einsatzleiter der Kantonspolizei Graubünden, wiederholte das bekannte Statement und bestätigte dabei, dass neun Flugzeuge in der Luft waren, als eines davon das Zugseil der Seilkamera, die die Rennfahrer filmt, touchiert und abgerissen hatte. "Die Luftwaffe hat entschieden, dass das PC-7-Team in St. Moritz keine Einsätze mehr fliegen wird", machte Willi klar, dass es nun am WM-Wochenende keine Flug-Vorführungen geben wird. Die Kantonspolizei habe die ersten Sofortmaßnahmen ergriffen. Dies beinhalte u.a. die Spurensicherung.

Die eigentlichen Untersuchungen würde aber die Militärjustiz führen, betonte Willi. "Sie verfügt damit auch über die Informationshoheit. Sie wird zur gegebenen Zeit über das Untersuchungsergebnis oder den Stand der Untersuchung Auskunft geben", sagte Willi. "Das wird mit Sicherheit nicht mehr am heutigen Tag stattfinden." Wie gefährlich der Vorfall für alle Zuschauer, Rennfahrer und Piloten gewesen sei und ob man womöglich an einer Katastrophe vorbei geschrammt sei, wurde ebenfalls nicht beantwortet. "Das ist Spekulation, da sage ich nichts dazu", meinte Willi. Die Zuständigkeit liegt bei der Militärjustiz. "Die Kantonspolizei ist nicht befugt, weitere Auskünfte zu erteilen."

Willi bestätigte aber, dass das abgerissen Seil auf jenes der Seilbahn Salastrains gefallen ist. Ob dabei auch Kabinen mit Rennfahren betroffen gewesen seien, könne er aber nicht beantworten.

Foto: Ski WM St. Moritz 2017