Daniele Sette – als Vorfahrer gleich schnell wie Loïc Meillard

Daniele Sette – als Vorfahrer gleich schnell wie Loïc Meillard
17.02.2017 17:29:30 | skionline.ch, Peter Gerber
peg. Applaus an der WM auch für zwei Vorfahrer. Daniele Sette (Bild) und Nicolas Iliano vom Skiclub Alpina St. Moritz hätten auch im Rennen gut abgeschnitten.

Sie ziehen ihre Spuren fernab der TV-Kameras und Interviews im Zielraum müssen sie auch nicht geben. Aber die Vorfahrer an der WM sind exzellente Rennfahrer. Zum Beispiel Daniele Sette. Der 24-Jährige aus St. Moritz blickt gar auf einen Einsatz im Weltcup zurück, hat er doch 2014 am Chuenisbärgli in Adelboden den 1. Lauf bestritten. Am Freitag legte er Marcel Hirscher und Co die Spur für einen schnellen Riesenslalom auf der "Corviglia"-Piste. Es war dies nach dem Team-Wettkampf und den Riesenslalom-Qualifikationsrennen der Frauen und Männer in Zuoz bereits Settes vierter WM-Einsatz als Vorfahrer. "Ich kenne extrem viele Leute hier und wenn du dann ins Ziel kommst und sie jubeln dir zu, ist das schon ein cooles Gefühl."

Klar, dass er als Rennfahrer lieber als Teilnehmer statt nur als Vorfahrer gestartet wäre. Das aber war für Sette, der in diesem Winter vorwiegend FIS-Rennen bestreitet, kein realistisches Ziel. Auch sein Einsatz als Vorfahrer ist keine Selbstverständlichkeit. "Ich habe mich Anfang Dezember bei einem FIS-Riesenslalom in Pfelders am Ellenbogen verletzt und musste operiert werden." Bei einem Sturz hat die scharfe Kante des Skis hinter dem Ellbogen Settes Ulnarisnerv durchtrennt. Die Folgen dieses Zwischenfalls spürt der 24-Jährige noch heute. "In zwei Fingern habe ich noch kein Gefühl und die Kraft in Arm und Hand sind deutlich eingeschränkt. Weil sich laut Ärzten dieser Nerv nicht wirklich schnell regeneriert, ist das wohl eine langwierige Sache."

Heute, beim WM-Einsatz im Riesenslalom der Männer, war die Verletzung aber kein Thema. Sette und sein Klubkollege Nicolas Iliano waren Teil der grossen WM-Show. Auf der perfekt präparierten, griffigen und teils eisigen Corviglia, dort, wo Sette so oft frei Ski fährt, legte er vor den Läufen die schnelle Spur. "Wir hatten beide keine perfekten Fahrten. Aber wir waren ja auch nur die Vorfahrer und hatten auch nicht Rennwachs auf dem Belag", erklärt Sette. Ein Blick auf die für Iliano und Sette gestoppten Zeiten zeigt aber Erstaunliches. Im 1. Lauf stoppte die Uhr für Sette eine Laufzeit von 1:08,27 (Hirschers Laufbestzeit lag bei 1:06,73). Damit wäre er im Rennen auf Position 19 gewesen. Und mit den 1:07,15 aus dem 2. Lauf hätte Sette die identische Gesamtzeit erreicht, die Loïc Meillard auf Platz 21 gebracht hat. "Das lässt sich aber überhaupt nicht vergleichen. Ich habe beide Läufe mit Startnummer 2 fahren können, hatte ander Sichtverhältnisse und auch nicht den Druck eines Rennfahrers. Im zweiten Lauf ist Hirscher, auf den ich eine halbe Sekunde verliere, zum Beispiel 30 Nummern nach mir gestartet. Das macht schon einen grossen Unterschied", relativiert Sette die Uhr als Massstab. Auch Nicholas Iliano wäre mit seinem Gesamtrückstand auf Hirscher nach zwei Läufen theoretisch noch in den Top-30 gewesen. "Es zeigt, dass wir etwas drauf haben und es motiviert uns, weiter zu machen", sagt Sette.

Völlig unabhängig von einer gefahrenen Zeit sei es ein riesiges Erlebnis gewesen, sagt der St. Moritzer. "Es waren zwei tolle Läufe. Ich mag dieses Gelände hier einfach. Es hat so viele Übergänge, steile Stücke und dann wieder flache Teile – du musst zwischen den Toren ständig pushen. Das Gelände geht von rechts nach links und zurück und du musst jedes Tor anders fahren." Im Ziel habe er anständig durchatmen müssen und gespürt, was er gemacht habe. "Ich habe riesigen Spass am Skifahren. Die Leidenschaft ist noch immer da und ich bin noch immer bereit, dafür vieles zu tun. Ob und wie es für mich als Rennfahrer weitergeht, werde ich aber erst im Sommer entscheiden", sagt Sette. Die Genugtuung darüber, dass er bei der Heim-WM im Riesenslalom inoffiziell 21. geworden ist, könnte bei der Entscheidungsfindung durchaus eine Rolle spielen, meint Sette.
 
Foto: zvg