Fabienne Suter: "... dieser Wille hat mir jetzt gefehlt"

Fabienne Suter:
21.04.2017 10:50:55 | skionline.ch, Peter Gerber
peg/pd. Die 32 Jahre alte Speed-Spezialistin Fabienne Suter hat ihre Karriere beendet und wird den Olympia-Winter nicht mehr in Angriff nehmen.

Die Vermutung lag nach dem Winter 2016/17 nahe, nun ist es fix: Fabienne Suter beendet ihre Karriere als Spitzensportlerin und wird – wie schon Marc Gini – die Olympia-Saison 2017/18 nicht mehr in Angriff nehmen. „Die Entscheidung, dass ich meine Karriere beenden werde, habe ich nicht spontan nach dem letzten Rennen gefällt. Viel mehr hat sich diese in den vergangenen Monaten entwickelt und konkretisiert“, sagt die 32 Jahre alte Speed-Spezialistin gegenüber skionline.ch. "Und plötzlich weisst du: Es ist Zeit, etwas Neues zu beginnen, und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen. Im Vertrauen auf diesen Zauber ist für mich der richtige Zeitpunkt gekommen, neue Wege zu gehen"

Die Teilnahme an der Heim-WM in St. Moritz sei noch ihr letztes, grosses Ziel gewesen. Mit Platz 7 in der Abfahrt verpasste Suter am 12. Februar im 22. WM- oder Olympia-Rennen die Einzel-Medaille an einem Grossereignis um 58 Hundertstelsekunden. Es bleiben als beste Klassierungen die Plätze 4 (Olympia-Riesenslalom 2010 in Vancouver) und 5 (Olympia-Abfahrten 2010 Vancouver und 2014 Sotschi sowie im WM-Super-G von Schladming 2013). Im Weltcup durfte die Schwyzerin 20 Podestplätze – darunter vier Siege – feiern und wurde im Winter 2015/16 in der Abfahrtswertung nur von Lindsey Vonn geschlagen. "Der zweite Platz in der Abfahrtsgesamtwertung der Saison 2015/16 mit der Medaillenübergabe am Weltcupfinale in St. Moritz war für mich das grösste Highlight meiner Karriere", sagt Suter.

Im WM-Winter 2016/17 konnte Fabienne Suter nicht mehr an die Resultate des Vorjahres anknüpfen und auch gesundheitlich verlief die letzte Saison der Schwyzerin nicht ohne Probleme. Im Dezember musste sich Suter wegen eines Meniskusrisses einer Arthroskopie im rechten Knie unterziehen und in der Folge eine fünf Wochen dauernde Rennpause einlegen. Nach dieser jüngsten Knieverletzung sei der Gedanke daran, dass alles plötzlich vorbei sein könnte, immer wieder aufgekommen, sagt Suter. „Nach einer durchzogenen oder schlechten Saison steigst du mit grossem Willen sofort in die Vorbereitung des nächsten Winters ein und bist überzeugt, dass du es besser machen kannst. Dieser Wille und diese Überzeugung fehlen jetzt.“ Das zeige ihr, dass die Entscheidung für das Ziehen des Schlussstrichs richtig sei. Auch wenn sie mit einem sportlich weniger erfreulichen Winter aussteige, dürfe sie eine positive Bilanz ziehen. „Auf jeden Fall war meine sportliche Laufbahn eine sehr gute Lebensschule. Ich hatte Hochs und Tiefs, so wie sie Sportlerinnen und Sportler in sämtlichen Sportarten immer wieder erleben.“

Dass es für die Schwyzerin bei Grossanlässen nie zu einer Einzel-Medaille gereicht hat mag auch daran liegen, dass sich Suter zu weilen zu sehr unter Druck gesetzt hat. «Die Anspannung wird manchmal so gross, dass mein Körper nicht mehr macht, was ich will. Obwohl ich Anspannung brauche, um in den Rennen schnell zu sein: Wenn es zu viel wird, geht nichts mehr», sagte sie im Februar in einem Interview mit der „Aargauer Zeitung“. Wenn es mal wieder so weit war und die Anspannung zu starken Einfluss zu gewinnen begann, hätte sie auch mal ausbrechen müssen. Jetzt bricht Fabienne Suter endgültig aus und lässt den Skizirkus hinter sich. Was die (berufliche) Zukunft bringe, das lasse sie vorerst auf sich zu kommen, sagt Fabienne Suter. „Ich kann vorerst weiterhin im Seilpark Rigi als Guide und in der angeschlossenen Landwirtschaft Alpenhof in Küssnacht arbeiten. Diese Arbeit draussen in der Natur liegt voll auf meiner Linie“,

Fabienne Suter. – 5. Januar 1985. – 1. Weltcup-Rennen: 12. Dezember 2002. – Weltcup: 204 Rennen, 4 Siege (3 Super-G, 1 Abfahrt), total 20 Podestplätze. 2. Platz in der Abfahrtswertung 2015/16. – Weltmeisterschaften: 7 WM-Teilnahmen, 2007 in Are Bronze mit der Mannschaft. – Olympische Spiele: Teilnahmen 2010 (Vancouver) und 2014 (Sotchi). – Europacup: 4 Siege, total 6 Podestplätze. – Schweizer Meisterschaften: Schweizer Meisterin 2003 im Riesenslalom, 2009 im Super-G und 2016 in der Abfahrt.
 
Fotos: Agence Zoom