Mathieu Faivre: "Es ist wichtig, dass ich den Zug nicht verpasse"

Mathieu Faivre:
08.06.2017 15:20:05 | skionline.ch, Peter Gerber
peg. Mathieu Faivre (25) ist Teil der so starken französischen Riesenslalom-Mannschaft. Neben seinem ersten Weltcup-Sieg konnte er auch 2016/17 auch den Weltmeister-Titel feiern. Er spricht im Interview mit www.fis-ski.com über den zurückliegenden Winter und die kommende Saison.

Mathieu Faivre, Sie sind in Nizza, einem Ort, der für seine Strände und nicht für Skipisten bekannt ist, geboren. Erläutern Sie uns, wie Sie zum Skifahren gekommen sind und aus Ihnen ein Profi-Skirennfahrer geworden ist.
Mathieu Faivre: "Das stimmt, ich bin in Nizza geboren worden. Aufgewachsen aber bin ich in Isola 2000, einem Bergdorf, das gut 80 Minuten von der Cote d'Azur entfernt ist. So wie die meisten Kinder, die in Skigebieten gross werden, habe ich sobald ich gehen konnte mit meinem Vater und Grossvater auch mit Skifahren begonnen. Danach folgte der übliche Werdegang über die diversen Nachwuchsstufen. Als ich 15 Jahre alt war hat sich die Familie dann in Savoyen niedergelassen und ich konnte dort von den bestmöglichen Trainingsbedingungen profitieren. Dort bin ich dem Club des Sports de la Plagne beigetreten und habe dann meine erste FIS-Saison bestritten. Dank guten Resultaten wurde ich nach diesem Jahr gleich in die französische Nationalmannschaft aufgenommen und so hat der Weg des Profi-Skifahrers angefangen."

Sie haben sich zum Sieganwärter im Riesenslalom entwickelt und im Dezember war es dann soweit und sie haben das Rennen n Val d'Isère gewonnen. War es zusätzlich speziell, den ersten Sieg in Frankreich feien zu können?
"Es war ein unglaublicher Tag. Alles hat perfekt gepasst und ich konnte mein bestes Skifahren zeigen. Es war eine riesige Genugtuung feststellen zu können dass, wenn ich alles wie geplant umsetzen kann, ich in der Lage bin, ein Weltcuprennen zu gewinnen. Vor dem französischen Publikum zu gewinnen war fantastisch, zumal Val d'Isère einer meiner Lieblingsskiorte ist. Wir waren vier Franzosen in den Top-5, das hat mich sehr stolz gemacht, dass wir diese Leistungen unseren Fans haben schenken können."

Nach dem ersten Lauf waren Sie einen Hundertstelsekunde hinter Marcel Hirscher zurück und lagen vor Ihren Teamkollegen Fanara, Muffat-Jeandet und Pinturault. Wie sind Sie mit dem Druck umgegangen?
"Wir hatten das Glück, dass unser Teamhotel sehr nahe an der Strecke lag. So konnte ich zwischen den Läufen zurück ins Zimmer um ein Nickerchen zu machen und Musik zu hören. Das hat mir sehr geholfen etwas runter zu kommen und vor dem zweiten Lauf nicht zu viel zu denken."

Val d'Isère war kein Zufallssieg. Sie sind über die gesamte Saison hinweg konstant gefahren und wurden in der Disziplinenwertung am Ende Zweiter. Ist dieser Platz vielleicht sogar mehr wert, als der Renn-Sieg?
"Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich in Val d'Isère habe gewinnen können, aber ich bin noch stolzer auf die Konstanz während der Saison und auf den zweiten Platz in der Wertung. Ich lege viel Wert auf Konstanz und strebe diese auch an. Dieses Ziel erreicht zu haben bedeutet mir viel und ist fantastisch."

Die Spitze im Riesenslalom ist gross, mehr als zehn Fahrer haben 2016/17 Podestplätze herausgefahren. Wo liegen Ihre Stärken und woran müssen Sie noch arbeiten, um die Lücke zu einem Marcel Hirscher schliessen zu können?
"Es stimmt schon, die Dichte an der Spitze des Riesenslaloms war im vergangenen Winter enorm. In der neuen Saison fahren wir alle auf neuem Material und darum ist es mir wichtig, dass ich mich auf das künftige Material konzentrieren kann und ich das richtige Set-up finde. Es ist ganz wichtig, dass ich den Zug nicht verpasse und in Schwung bleibe, damit ich an der Spitze bleiben kann."

Sie haben in diesen Winter auch eine Kombination und einen Super-G bestritten. Werden Sie künftig vermehrt Rennen in anderen Disziplinen bestreiten und was bedeutet Ihnen Vielseitigkeit?
"Ja, Vielseitigkeit streben meine Trainer und ich an. Es ist wichtig für mich, andere Ziele zu haben und mich nicht nur auf den Riesenslalom zu konzentrieren. Es ist auch gut, um den Rhythmus während der ganzen Saison hoch zu halten. Ich mag die anderen Disziplinen, also ist es ein Vergnügen, in den Speed-Disziplinen oder sogar im Slalom zu trainieren und zu Rennen zu fahren."

Bei der Weltmeisterschaft in St. Moritz waren Sie ein entscheidendes Element im Team-Wettbewerb und konnten mit Ihren Kolleginnen und Kollegen den WM-Titel feiern. Mögen Sie das Format Team-Event und ist die Goldmedaille auch das Ziel für die Olympischen Spiele 2018?
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Ja, ich mag das Format sehr, es ist etwas anderes als die traditionellen Disziplinen. Weil der alpine Team-Event zum ersten Mal olympisch ist, haben wir das auch in unsere Trainingspläne integriert und wir planen definitv, mit einem starkem Team in Korea am Start zu stehen."

Wo liegen Ihre persönlichen Ziele für die nächste Saison? Wir können uns vorstellen, dass der olympische Riesenslalom an der Spitze dieser Liste steht...
"Mein Ziel ist es, so weiterzumachen wie ich es in den letzten Wintern getan habe. Ich habe nicht geplant, dass ich meine Top-Form im Februar für die Olympischen Spiele erreiche, ich möchte wettbewerbsfähig sein und eine gleichbleibend gute Form über die ganze Saison hinweg konservieren können."

Wie bereiten Sie sich während der Sommerzeit vor? Mögen Sie das Trockentraining oder sind Sie ungeduldig und möchten rasch auf die Skipisten zurückkehren?
"Wir haben im Juni eine wichtige Vorbereitungsphase und die Skier werden bis Mitte Juli eingelagert bleiben. Ich habe gerade sehr schöne Ferien am Strand genossen, also ist die Motivation für das Sommertraining da. Aber es stimmt schon, so nach vier oder fünf Wochen würde ich gerne wieder auf meinen Skiern stehen."

 
Foto: Agence Zoom
Quelle: fis-ski.com