Reinfried Herbsts Ziele sind nicht weniger geworden

Reinfried Herbsts Ziele sind nicht weniger geworden
28.07.2017 22:31:15 | skionline.ch, Peter Gerber
peg. Familie, Polizei, Sport und Fische – Reinfried Herbst kennt keine Langeweile. Und auch dem Skisport ist der 38-jährige Salzburger nach seinem Karriereende noch stark verbunden.

Er war Skirennfahrer aus und mit Leidenschaft und er sagte, als seine Laufbahn im März 2016 zu Ende gegangen war, dass er für die Zukunft etwas brauche, wo er so richtig aufleben könne. Der ehemalige Slalom-Spezialist Reinfried Herbst hat so etwas gefunden – und das gleich auf mehreren Ebenen. Im Privatbereich mit der Familie und den beiden Kindern sowieso, aber auch im Beruf und mit seinem grossen Hobby, der Zucht und dem Handel mit den wertvollen Koi-Karpfen.

12 Operationen hat der Salzburger hinter sich und unmittelbar nach der Ski-Karriere musste er die „aus dem Lot geratene“ Beinachse richten lassen. „Danach war ich ein halbes Jahr ausser Gefecht gesetzt. In dieser Zeit bin ich mir über meine berufliche Zukunft klar geworden.“ Reinfried Herbst, Gewinner der Silbermedaille beim Olympia-Slalom von Turin 2006 und Gewinner des Slalom-Weltcups 2009/10, ist seit November 2016 als Spitzensport-Koordinator der österreichischen Polizei tätig. In dieser Funktion unterstützt „Herbstl“ die bei der Polizei angestellten Berufsspitzensportlerinnen und –sportler in diversen Bereichen. „Aktuell sind es 47 Sportlerinnen und Sportler, die ihr zweites Standbein neben ihrer Karriere bei der Polizei aufgebaut haben oder am aufbauen sind. Darunter zum Beispiel Max Franz, Otmar Striedinger, Frederik Berthold, Conny Hütter, Miriam Puchner und Tamara Tippler. Aber auch Athletinnen und Athleten aus andern Winter- und Sommersportarten sind dabei. 25 sind allein im Jahr 2017 aufgenommen worden. Zum Beispiel ist auch Nina Burger, die bei der Fussball-EM das 1:0 gegen die Schweiz geschossen hat, eine Polizeisportlerin.“

Herbst ist selber Polizist mit Leib und Seele und heute im Rang eines Revier-Inspektors. Er ist überzeugt, dass die Polizei mit ihren Planstellen den Spitzensportlerinnen und –sportlern eine optimale Ausgangslage während aber auch nach der Karriere bietet. „Für die zwei Jahre dauernde Grundausbildung haben die Top-Athletinnen und –Athleten fünf Jahre Zeit und können diese während der sportlichen Karriere absolvieren. Und für die Jahre nach der aktiven Karriere bietet die Polizei eine Vielzahl an beruflichen Tätigkeitsfeldern“, erläutert der Harley-Fahrer. Es sei wichtig, den Sportlerinnen und Sportlern eine nachhaltige Berufsmöglichkeit bieten zu können. Er versuche Sportlerinnen und Sportler vom beruflichen Plan B bei der Polizei zu überzeugen. „Die Zeit nach dem Sport kommt für jede und jeden. Die Sport-Karriere kann schneller vorbei sein als erwartet und darum ist es wichtig, dass sich Top-Athletinnen und –athleten ein Standbein ausserhalb des Sports aufbauen. Aus diesem Grund haben wir ein entsprechendes Konzept erarbeitet. Der Erfolg, das steigende Interesse bei Sportlerinnen und Sportlern sowie die steigenden Aufnahmezahlen zeigen, dass ein Bedürfnis besteht.“

Die Aufgabe des ehemaligen Slalom-Spezialisten ist, dass er den Athletinnen und Athleten bei der Abstimmung zwischen Sport und Ausbildung behilflich ist und er für die mediale Resonanz in Österreich sorgt. „Die Entscheidungsträger im Innenministerium gehen mit mir einig, dass dieses Konzept ein nachhaltiges und langfristiges Projekt sein soll und sowohl dem Spitzensport wie auch der Polizei in Österreich etwas bringen wird.“

Aber auch neben seinem Broterwerb hat Herbst ein Betätigungsfeld gefunden, in welchem er sich verwirklichen kann. Seit der Kindheit ist der auf einem Bauernhof gross gewordene ehemalige Skirennfahrer von Fischen fasziniert. Jetzt züchtet der Österreicher daheim auf seiner „Koi-Alm“ Koi-Karpfen. „Als 12-Jähriger schon bin ich von sieben in der Früh bis acht Uhr am Abend am Ufer gesessen und habe gefischt. Das hat mir immer schon Spass gemacht. Vor vier Jahren habe ich ein Haus gebaut und weil genügend Platz da war, wollte ich auch einen Teich haben. Ein Freund hat in mir dann das Interesse an den Kois geweckt.“ Wenn Herbst über seine Tiere spricht, spricht auch hier die Leidenschaft aus dem Salzburger. „Setzen sie einen dunklen Fisch in ein blaues Becken, dann wechselt das Tier innerhalb einer halben Stunde die Körperfarbe auf Silber. Das ist absolut faszinierend und spannend.“ In Herbsts Gewässern – die jüngst einen Ausbau erlebt haben – schwimmen mittlerweile Tiere, die einen Verkaufswert von mehreren hundert Euro haben. Aber der Wert seiner Fische lässt sich nicht wirklich in Geld messen: „Ich kann am Teich grossartig abschalten, das ist mein grösster Gewinn“, sagt Herbst, der in Zukunft auch in die Koi-Zucht investieren will (mehr auf der Facebook-Seite Koi Alm – Hobbyzucht).

„Wie damals, zur Zeit als Spitzensportler, setze ich mir auch heute noch Ziele. Sei es im Beruf oder im Privatleben. Und diese Ziele verfolge ich konsequent. Ich bin Perfektionist und wenn ich etwas anpacke, dann mache ich es gscheit“, sagt der Familienvater, der auch als Trainer im Bereich Kondition, Koordination und Motivation U-12-Junioren ausbildet. Zudem bietet Herbst Skitage für Firmen an und macht mit seinem ehemalgen Ski-Kollegen Manni Pranger Koordinations- und Kräftigungsübungen in Hotels an (Infos auf www.facebook.com/ReinfriedHerbstofficial). „Hier steht nicht die Leistung im Vordergrund sondern der Spass und die Bewegung in der Natur“, sagt Herbst. „Mein Leben ist ausgefüllt – das passt alles ganz gut, sagt einer, der nach dem Karriereende nie in ein Loch gefallen ist.

Reinfried Herbst – geboren am 11. Oktober 1978. – Vater eines Sohnes (9-jährig) und einer Tochter (7-jährig). – Sportliche Erfolge. Olympische Spiele: Silbermedaille im Slalom 2006 in Turin. – Weltcup: Gewinner des Slalom-Weltcups 2009/10, Sieger von 9 Weltcup-Rennen bei insgesamt 16 Podestplatzierungen. – Diverses: Österreichscher Meister im Riesenslalom 2003 und im Slalom 2008, Träger des silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich (2006) und des grossen Goldenen Sportehrenzeichens des Österreichischen Skiverbandes.
Fotos: zvg Reinfried Herbst