"Nur wenn man Vertrauen hat, kann man ans Limit gehen"

03.08.2017 07:14:13 | skionline.ch, Peter Gerber
peg. Vor dem Olympia-Winter hat sich für Tina Weirather (28) einiges geändert. Im Interview spricht die Liechtensteinerin über den Skiwechsel, den neuen Trainer und eine grosse Favoritin auf den Weltcup-Gesamtsieg.

Tina Weirather, nach vielen Kilometern auf dem Velo und vielen Kilogrammen im Kraftraum sind die ersten Schneetage schon vorbei. Wie sieht es jeweils mit der Vorfreude auf die Schneetrainings aus?
Tina Weirather: „Die Freude aus dem Kraftraum-Alltag in den Schnee zu kommen, ist wie immer ziemlich gross. Es ist schön, wieder im Team zu sein und alle wieder zu sehen. Aber es ist auch viel Arbeit – die Schuhe müssen wieder passend gemacht werden und in den ersten Tagen in den Toren stelle ich mich nicht immer glänzend an.“

Nach der Saison 2015/16 waren Sie mit den Resultaten in der Abfahrt (9 Rennen, 5 Top-10-Platzierungen, ein 4. Platz als bester Rang) nicht wirklich zufrieden. 2016/17 (8 Rennen, 5 Top-10-Platzierungen, ein 2. Platz als bester Rang) lief es etwas besser. Dennoch: ist die Abfahrt letztlich der Grund für ihren Ausrüsterwechsel gewesen?
„Das würde ich so nicht sagen. Man versucht natürlich, an alles zu denken. Ich fahre drei Disziplinen, und es muss überall stimmen. Nur wegen einer Disziplin zu wechseln, wäre falsch.“

Sie haben ja ausgiebig getestet. Was fühlt sich denn beim neuen Abfahrtspaket konkret besser an?
„Es hat einfach von Anfang an gut gepasst. Ich spürte eine gewisse Leichtigkeit und Stabilität, und das gibt Vertrauen. Wenn man Vertrauen hat, kann man ans Limit gehen.“



Sie haben im Super-G in St. Moritz ihre erste WM-Medaille gewinnen können und im Weltcup holten Sie die Kristallkugel für den Disziplinensieg im Super-G. Ist gerade in dieser Disziplin der Wechsel von Atomic auf Head nicht auch ein gewisses Risiko?
„Natürlich. Es ist durchaus möglich, dass es eine Zeit lang dauert, bis alles sitzt und die gewünschten Resultate kommen. Aber es kann auch von Anfang an super gehen. Das macht es natürlich extrem spannend, und diese Spannung motiviert mich auch. Die zusätzliche Motivation war sicher auch ein Grund für den Wechsel.“

Neben dem neuen Ski haben Sie mit Karlheinz Pichler auch einen neuen Trainer an Ihrer Seite. Haben sie beiden sich schon gut aneinander gewöhnt?
„Ja, ich finde schon. Wir haben erst zirka 10 Tage zusammen trainiert, aber wir sprechen vom gleichen, und wir wollen beide die gleichen Dinge verbessern. Charly hat sich schon gut ins Schweizer Team integriert und das ist wichtig, schliesslich arbeiten wir eng zusammen, ich bin ja total integriert im Team.

Vieles ist in Ihrem Umfeld also neu. Aber was können Sie aus dem letzten Winter für sich mitnehmen? Wohl wissend, dass der Winter 2017/18 – mit dem Höhepunkt Olympia – für alle wieder bei Null beginnt...
„Ich nehme viel mit aus dem letzten Jahr. Ich bin zwar schon ein paar Jahre dabei, aber man lernt nie aus. Ich habe gelernt, dass ich dem grösstmöglichen Druck standhalten kann. Ich musste in Aspen gewinnen um die Kristallkugel zu gewinnen, und ich habe es geschafft. In St. Moritz war ich in den vier Super-G davor drei Mal auf dem Podest - ich musste eine Medaille machen, und es hat geklappt. Das ist wichtig für die nächsten Grossanlässe. Aber auch aus den Misserfolgen habe ich gelernt. In Maribor bin ich mit starken Knieschmerzen angetreten, das würde ich rückblickend nicht mehr tun.“

Sie gelten auch immer wieder zum erweiterten Kreis der Anwärterinnen auf den Sieg im Gesamtweltcup. Wie sehen Sie selber Ihre Chancen auf den Gewinn der grossen Kristallkugel?
„Ich denke ehrlich gesagt nicht daran. Ich konzentriere mich auf meine drei Disziplinen. Es ist schwer genug, da immer konstant vorne zu sein. Wenn ich das schaffe, sieht die Gesamtwertung auch nicht so schäbig aus. Aber Favoritinnen sind andere, oder besser gesagt, es gibt eine ganz grosse Favoritin, und das ist Mikaela Shiffrin.“

Können Sie uns zum Abschluss noch Ihr Ski-Programm bis zum Saisonstart in Sölden grob umreissen? Bereiten Sie sich hauptsächlich auf den europäischen Gletschern vor?
„Anfang August sind wir in Zermatt, dann 3 Wochen Chile, dann wieder Zermatt, bis es in Österreich genug Schnee hat, um dort und in Saas Fee die Vorbereitung auf Sölden zu machen.“

Anmerkung der Redaktion: Dieses Interview ist per E-mail geführt worden.
Foto: Agence Zoom