"Ich will Hirscher schlagen, nicht von ihm beeindruckt sein"

05.09.2017 11:49:53 | skionline.ch, Peter Gerber
peg. Ein ambitionierter Holländer der Marcel Hirscher schlagen will, Dave Ryding zum Vorbild hat und wohl nicht zu den Olympischen Spielen nach Korea darf. Das ist Steffan Winkelhorst.

Aus Holland kennt man die Fussballer. Vielleicht sind hierzulande auch die Eisschnellläufer, die Landhockeyaner und die Radrennfahrer bekannt. Aber ein Slalom-/Riesenslalomfahrer? Ja, er heisst Steffan Winkelhorst, ist 25 Jahre alt, hat bei der WM in St. Moritz die Riesenslalom-Qualifikation gewonnen und hat klare Ziele: "Ich will meine FIS-Punkte im Slalom unter 10,00 drücken und im nächsten Weltcup-Winter im Slalom mindestens zwei Mal in den zweiten Lauf kommen. Im Europacup strebe ich Top-10-Plätze an." Der Holländer bewundert zwar die Technik und die Körperhaltung eines Marcel Hirscher oder Henrik Kristoffersen, lässt sich aber von den beiden Stars nicht blenden. "Ich habe meinen ganz eigenen Stil. Natürlich machen sie einige Dinge besser als ich, aber ich schaue nicht zu sehr darauf. Ich möchte sie in der Zukunft ja schlagen und nicht von ihnen beeindruckt sein."

Wenn er ein Vorbild nennen müsse, so sehe er sich am ehesten in den Spuren eines Dave Ryding, sagt Steffen Winkelhorst
. Der heute 30 Jahre alte Brite bestritt im Alter von 23 Jahren sein erste Weltcup-Rennen und zählt aktuell zu den Top-10-Slalomfahrern der Welt. Am Anfang von Rydings Weltcup-Karriere standen – mit der Ausnahme eines 26. Platzes beim Slalom von Levi im Jahr 2012 – Ausfälle und verpasste zweite Läufe. Das hat sich mittlerweile geändert und Ryding durfte im vergangenen Januar als Zweiter des Slaloms von Kitzbühel auch schon auf dem Podest stehen. "Es hat lange gedauert bis er es geschafft hat, im Weltcup erfolgreich zu sein. Aber er hat es jetzt geschafft", zollt Winkelhorst dem Briten Respekt. "Wenn ich weiter hart arbeite und mich selbst verbessere bin ich davon überzeugt, dass ich in naher Zukunft auch ein wettbewerbsfähiger Weltcup-Skifahrer sein werde."

Im Alter von 4 Jahren stand Winkelhorst zum ersten Mal auf Skiern. Als 9-Jähriger durfte er mit einem holländischen Skiclub zum Training nach Österreich reisen – ein einschlägiges Erlebnis. "Seit diesem Zeitpunkt bin ich Skirennfahrer.
Ich habe angefangen, jeden Sonntag in der Skihalle in Holland und in den Ferien in Österreich zu trainieren Später wurde das Training intensiviert und ich war auch ausserhalb der Ferien in Österreich auf der Piste." Was aber sagten und sagen die Holländer dazu, wenn er sich als Skirennfahrer vorstellt? "Die sagen: aha, du bist ein Skilehrer! Wenn ich es dann noch mal erklärt habe finden es die Leute toll. Sie fragen immer wie ich es mit Training mache, wo ich trainiere und wo ich Rennen fahre. Viele Holländerinnen und Holländer kennen Skifahren vom Urlaub. Und wenn sie mich treffen finden sie es wirklich cool zu wissen, dass ich ein professioneller Skirennfahrer bin und dass ich gegen die Fahrer aus den Alpenländern antrete."

Zwei WM-Teilnahme stehen bereits in Winkelhorsts Palmares. Wie steht es mit dem nächsten Grossereignis, den Olympischen Spielen in Korea? "
Wenn ich mich für Olympia qualifizieren will, dann muss ich im Weltcup einmal Top-8 oder zweimal Top-16 sein. Diese Vorgaben sind für mich derzeit nicht realistisch und ich müsste viel Glück haben, um diese Ergebnisse zu erreichen. Leider hat das niederländische Olympische Komitee diese strengen Kriterien gesetzt. Schade, ich hätte dort gerne weitere Erfahrungen gesammelt."



In Neuseeland und Australien bereitet sich Winkelhorst auf den europäischen Winter vor. In Rennen mit teils namhafter internationaler Konkurrenz sind dem Holländer Laufbestzeiten und auch ein Podesplatz gelungen. Nachstehend ein Interview mit ihm über die Zeit in Ozeanien.


Steffan Winkelhorst, wer begleitet Sie in Neuseeland und Australien? Trainieren Sie vor Ort auch mit Fahrern anderer Nationen?
Steffan Winkelhorst: "Ich bin mit Rennfahrer-Kollege Maarten Meiners gemeinsam mit einem Trainer und einem Serviceman hier. Wir haben n Arrowtown ein Haus gemietet und wir trainieren im Cornet Peak. Die Trainings werden durch neuseeländische Coaches organisiert und wir trainieren mit diversen Teams gemeinsam. Die Trainings waren jeden Tag anders und wir haben uns mit Fahrern aus vielen andern Ländern messen können."

Sind Sie zum ersten Mal in Neuseeland und Australien? Was sind Ihre Eindrücke?
"Ja, ich bin zum ersten Mal hier. Ich war zuvr zweimal in Ushuaia in Argentinien, aber das ist ganz anders. Das Klima hier ist anders als erwartet. Ich kann am Vormittag Ski fahren und am Nachmittag spiele ich Golf, wenn ich will. Im europäischen Winter geht das nicht. Die Natur ist toll und die Trainingsbedingungen waren gut. Ideal ist, dass du hier nicht das 'kalte und dunkle Wintergefühl' bekommst, weil im Tal alles Grün ist. Das macht einen längeren Aufenthalt hier auch mental erträglich."

Wie lange bleiben Sie noch in Neuseeland und wo geht es mit dem Training weiter?
"Wir sind seit dem 1. August hier und wir reisen am 7. September zurück. Zurück in Europa stehen wieder Konditions- und Krafttraining auf dem Programm. Ich will körperlich für den Winter in Europa bereit sein. Das Skitraining ist von den Bedingungen auf den Gletschern abhängig. Entscheidend ist auch, ob ich den Riesenslalom in Sölden fahren werde, oder ob ich mit dem Slalom von Levi in den Weltcup starten werde."

Wo trainieren Sie in Europa?
"Wir trainieren normalerweise in Österreich, in der Region Zell am See. Zell am See, Hinterreit und die Reiteralm sind jene Orte, an denen ich im Winter am meisten trainiere. Im Sommer fahre ich auf dem Mölltalter Gletscher."


Wie lautet Ihre Bilanz nach den Wochen in Australien und Neuseeland? War die Reise erfolgreich?
"Ja, absolut. Im vergangenen Winter habe ich gezeigt, dass ich das Zeug für die Top-30 habe. Damit ich mich häufiger für die zweiten Läufe qualifizieren kann muss ich meine Position in der Weltrangliste verbessern. Das Ziel für diese Reise war, abgesehen von guten Trainings, die FIS-Punkte vor allem im Slalom zu verbessern. Nach dem ich im Slalom und im Riesenslalom gute Punkte gemacht habe darf also sagen, dass die Reise erfolgreich war. Und abgesehen von den Ergebnissen habe ich auch mein Skifahren verbessert – ich bin zufrieden mit den gemachten Fortschritten."
 
Foto: zvg / Winkelhorst