Lara Gut hat die Verletzungspause zur Selbstfindung genützt

Lara Gut hat die Verletzungspause zur Selbstfindung genützt
26.09.2017 15:02:43 | skionline.ch, Peter Gerber
peg. Der erste öffentliche Auftritt nach der Verletzungspause von Lara Gut drehte sich um eine für die Athletin wichtige Aussage: "Ich bin nicht nur Athletin, ich bin auch ein Mensch". Es war eine aussergewöhnliche Pressekonferenz mit tiefen Einblicken in das Seelenleben der Top-Athletin.

Man war gespannt darauf, was Lara Gut bei der Pressekonferenz in Zermatt zu sagen haben wird. Und der Auftritt der 26 Jahre alten Tessinerin war nicht einfach eine der normalen Ich-bin-nach-einer-Verletzung-zurück-Pressekonferenz. Das verletzte linke Knie stand zwar im Zentrum von Guts Ausführungen, war aber sehr oft nur hintergründig und der Auslöser für ganz grundlegende Gedankengänge der Gesamtweltcupsiegerin von 2015/16. "Mein Fokus lag während Jahren immer nur auf der Athletin. Ich wollte besser werden und habe mich als Mensch dabei etwas verloren", so eine von Guts zentralen, während der Sportpause erlangten und an der liva auf vielen Online-Portalen ausgestrahlten Pressekonferenz mit der Öffentlichkeit geteilten Erkenntnissen (die gesamte Pressekonferenz kann unten noch einmal angesehen werden).

Sie habe das Gefühl gehabt, nie Zeit zum Lesen zu haben, erklärte Gut. "Das stimmt aber nicht. Ich habe jetzt gemerkt dass ich sehr wohl Zeit dafür habe, wenn ich mich dafür entscheide." Mit Freunden etwas zu unternehmen sei als Skirennfahrerin ebenso möglich, auch wenn sie vielleicht diese Verletzung "gebraucht" habe, um das zu realisieren. Auch der Familie, speziell ihrem Vater Pauli, sei sie in den letzten Monaten wieder näher gekommen. "Er war mein Trainer. Er wurde von aussen oft in Frage gestellt aber ich habe gewusst, dass er der richtige Trainer für mich ist." Sie habe ihn während den letzten Jahren in der Rolle als Vater fast etwas verloren und ihn nun als diesen wieder gefunden, so Lara Gut.

Das Hinterfragen und sich quasi frisch Orientieren hatte bei Lara Gut aber schon im Sommer nach dem Gewinn des Gesamtweltcups eingesetzt. "Alle wollten wissen, wo die Kugel ist. Nach der Verletzung wollten alle wissen, wie es meinem Knie geht. Niemand hat gefragt, wie es mir als Mensch geht." Sie habe sich als Objekt gefühlt und sie habe offenbar diesen durch den Kreuzbandriss hervorgerufenen Break gebraucht. "Ich habe gemerkt dass es wichtig ist, dass ich mich in meiner Haut wohl fühle." Sie habe sich in den letzten sechs Monaten bewusst zurück gezogen und sei ihren Weg gegangen. Der Rummel um ihre Person habe ihr dabei nicht gefehlt, sagte sie. Und diese Aussage wirkte stimmig und glaubhaft. "Das einzige was mir in dieser Zeit wirklich gefehlt war das Skifahren." Sie werde sich der Herausforderung des Lebens als Privatperson und Sportlerin stellen, sagte Gut und versprach: "Ich wollte und will nach den sechs Monaten Pause nicht dort weiterfahren wo ich vor der Verletzung gewesen bin. Ich werde mein Bestes geben."

Die Information, welche die Skifans und die Fans von Athletin Gut hören wollten, wurde auch geliefert, nahm aber in den gut 30 Minuten mit der Rennfahrerin vergleichsweise wenig Platz ein: "Mir geht es gut, meinem Knie geht es gut, ich habe keine Schmerzen." Das Riesenslalom-Training in Chile habe gut funktioniert, berichtete Lara Gut. "In den ersten Toren war ich noch etwas unsicher, aber schon bei der zweiten Fahrt hatte ich ein gutes Gefühl." Am Plan, den Weltcup-Auftakt in Sölden nicht zu bestreiten, hat sich aber bei der Tessinerin nichts geändert. "Sölden ist ein spezielles Rennen. Da ist viel Druck und ein grosses Presse-Interesse. Ich habe aber nicht wie in den Jahren zuvor schon m Juli sondern erst im September Skifahren können und mein Plan war immer der, dass ich stark zurückkomme und nicht schnell. Wenn du Sölden gewinnst hast du ein Rennen gewonnen. Ich möchte aber mehr als nur dieses eine Rennen gewinnen", so Gut voller Zuversicht und Selbstbewusstsen. Die Knieverletzung habe ihr gezeigt, wie schnell etwas passiert sei und dass sie auf den ganzen Körper hören müsse. Lara Gut liess offen, ob sie während der kommenden Saison auf das eine oder andere Rennen verzichten wird, damit sie im übernächsten dann wieder voll bei Kräften antreten könne.
Foto: Agence Zoom