Der US-Verband unterstützt Lindsey Vonns Traum

Der US-Verband unterstützt Lindsey Vonns Traum
29.09.2017 08:16:25 | skionline.ch, Peter Gerber
peg. Bei den Vorsaison-Meetings der FIS kommt nächste Woche ein langgehegter Traum von Lindsey Vonn zur Sprache: sie will sich unbedingt einmal mit den Männern messen. Jetzt erhält sie Unterstützung durch den US-Verband.

Fast so wichtig wie das Brechen von Ingemar Stenmarks Rekordmarke bei Weltcup-Erfolgen ist Lindsey Vonn das Anliegen, sich in einer Abfahrt mit den Männern messen zu können. Die Olympiasiegerin (2010 in der Abfahrt), zweifache Weltmeisterin (2009 in Super-G und Abfahrt) und 77fache Gewinnerin von Weltcup-Rennen hat dabei die Abfahrt von Lake Louise im November 2018 ins Auge gefasst. In der kanadischen Provinz Alberta bestreiten jährlich zuerst die Männer und dann die Frauen Speed-Rennen. Auf dieser – aus Sicht der Männer eher leichten – Strecke in Kanada hat Vonn bisher 14 Weltcup-Abfahrten und vier Mal den Super-G gewinnen können. "Ich weiss, dass ich nicht gewinnen werde, aber ich möchte wenigstens die Gelegenheit haben, es zu versuchen", sagte Vonn früher. "Die Männer sagen: Wir glauben nicht, dass sie uns schlagen wird. Ich sage: Es wird für unsere Sportart grossartig sein. Wo also wäre der Schaden, wenn ich gegen die Männer fahre? Hoffentlich kann ich dieses Ziel vor meinem Karriereende erreichen."

In dieser Sache bekommt Vonn nun ganz offiziell die Unterstützung des US-Verbandes. "Wir stellen der FIS einen Antrag der es Lindsey Vonn erlauben soll, einmalig – im Jahr 2017/2018 – in Lake Louise die Männer-Abfahrt bestreiten zu dürfen", bestätigt US-Alpindirektor Patrick Riml gegenüber skionline.ch. Man habe zwei Varianten besprochen und sich für die erfolgsversprechendere Möglichkeit entschieden, die am 3. Oktober im Exekutivkomitee diskutiert wird. Eine Entscheidung dürfte aber nicht vor dem 4. oder 5. Oktober fallen. Man setzt seitens des US-Verbandes darauf, dass Lindsey Vonns langjährige Verdienste für den Skisport gewürdigt werden und ihr deshalb dieser Traum ermöglicht wird. Die andere Variante wäre gewesen, mit Reglementsänderungen und unter klaren Voraussetzungen eine generelle Möglichkeit für die Teilnahme von Frauen an Männer-Rennen zu schaffen. Die Chancen auf einen Erfolg dieser Variante sind laut Riml als gering eingeschätzt worden.

"Alles, was Werbung für den Skisport macht, ist positiv. Und wenn die beste Abfahrerin sich mit den Männern misst sorgt das für Aufmerksamkeit und unterstützt unseren Sport. Es ist gar nicht so aussergewöhnlich, dass sich eine Top-Athletin mit Männern misst, das hat es in andern Sportarten auch gegeben", sagt Riml der weiss, dass dieser Vorschlag nicht frei von Skepsis und Widerständen innerhalb der FIS ist. "Zudem hat Lindsey dem Skisport viel gegeben, so dass sie diese einmalige Möglichkeit auch verdient hat. " Die Aktion hätte nach der Idee des US-Verandes also eher einen PR-technischen denn einen sportlichen Hintergrund. Weil Vonn auch ausserhalb der Ski-Szene einen gewissen Bekanntheitsgrad hat erhofft man sich – gerade im US-Markt – von dieser Aktion eine gewisse Strahlkraft für den Skisport.

Die FIS steht dieser Idee eher skeptisch gegenüber. Atle Skaardal sagte im Juni in einem Interview mit fis-ski.com folgendes:
"Das wird eine riesige Herausforderung sein einen Weg zu finden, der diesen Wunsch möglich macht. Denn ein ganz wichtiger Punkt ist, dass wir alle gleich behandeln müssen und wollen. Wenn also die Frauen bei den Männern fahren dürfen, so müssen umgekehrt auch die Männer bei den Frauen starten können. Ich bin nicht sicher, ob das der Weg ist, den wir gehen sollten. Es ist ganz grundsätzlich ein schwieriges Thema."

Die im Sommer von Vonn auf die Frage, worauf sie sich dann im Falle einer Bewilligung durch die FIS am meisten freuen würde, gegebene Antwort ("ich würde definitiv einige Männer besiegen. Und dann würde ich mich für immer über sie lustig machen“/vgl. Kommentar zu dieser Aussage) findet Riml "sehr ungünstig" und der US-Alpindirektor ist sicher, dass Lindsey Vonn heute nicht mehr so argumentieren würde.

So oder so, das Thema beschäftigt. Auf dem Facebook-Profil des ehemaligen Swiss-Ski- und jetzigen Schweden-Trainers Jacques Theolier ist zum Beispiel eine ziemliche Diskussion entstanden. Da fragt die ehemalige französische Rennfahrerin Florence Masnada was denn das Problem sei, wenn Vonn bei den Männern starte. "Wir wissen, dass die Männer stärker sind, mächtiger und voller Testosteron. Lindsey Vonn ist die grösste Skifahrerin aller Zeiten und die Ski-Welt kann ihr danke sagen." Auch auf der Facebook-Seite "Ski World Cup Discussion Group" wird eifrig über dieses Thema diskutiert.
 
Foto: Agence Zoom