Die charmante Kampfansage von Mikaela Shiffrin

Die charmante Kampfansage von Mikaela Shiffrin
13.10.2017 14:57:06 | skionline.ch, Peter Gerber
peg. Mikaela Shiffrin startet als grosse Favoritin auf den Sieg im Gesamtweltcup in den Winter. Beim Atomic-Media-Day plauderte die Amerikanerin über Olympia, Lindsey Vonn, Marcel Hirscher und Siege in Speed-Rennen.

Mikaela Shiffrin lächelt, gibt zum x-ten Mal Auskunft über Ziele, Olympiamedaillen und Kristallkugeln. Dann schreibt sie für zwei Mädchen aus Tschechien Autogramme und nimmt den Interview-Marathon wieder auf. Lächelnd, locker und auch nach mehr als einer Stunde ohne Anzeichen von Genervtheit. Die 22-Jährige vermittelt beim Medien-Tag ihres Ausrüsters Atomic zu keiner Sekunde den Anschein eine Pflichtaufgabe erfüllen zu müssen. Mikaela Shiffrin ist so, wie sie schon vor zwei oder drei Jahren gewesen ist: umgänglich, gesprächig, freundlich – und äusserst professionell. Auf die Frage, ob sie denn die (offensichtliche) Liebesbeziehung mit dem Franzosen Mathieu Faivre offiziell machen würde, meinte Shiffrin "Ich hasse das Wort offiziell. Er ist ein Typ, mit dem man super reden kann". Die im Sommer in den sozialen Medien geposteten – und von skionline.ch exklusiv schon am 25. Juni entsprechend interpretierten – Bilder lassen auf jeden Fall vermuten, dass sich da zwei sehr gut verstehen und gefunden haben.

Die Vorbereitung auf den Winter sei ideal verlaufen, anders als bei Marcel Hirscher, sagt Shiffrin. "Marcel war so stark und immer gesund. Zu sehen, dass er verletzt ist, ist für viele von uns Athletinnen und Athleten ein Schock. Völlig verrückt."  Sie sei sehr dankbar dafür, dass sie wiederum gesund und fit in den Winter einsteigen könne. Eine Olympia-Goldmedaille hat sie bereits, eine grosse Kristallkugel auch – für Mikaela Shiffrin kein Grund, genau diese Auszeichnungen nicht auch in der Saison 2017/18 anzustreben. Und die 22 Jahre alte Amerikanerin steigt in Sölden in der Rolle der Favoritin und mit einem klaren Ziel in den Winter: weil einige der Favoritinnen (Anna Veith, Lara Gut, Lindsey Vonn) im Vorwinter durch Verletzungen im Kampf um den Gesamtweltcup hart gebremst oder gestoppt worden sind, möchte sie sich die grosse Kugel 2017/18 "verdienen". Und für die Zukunft schickte die Edeltechnikerin gleich eine mit einem charmanten Lächeln kaschierte Kampfansage an die Konkurrenz voraus: "Ich will irgendwann auch in der Abfahrt und im Super-G gewinnen."

Im Gespräch mit skionline.ch (siehe Video) erläuterte Shiffrin auch wie viel ein Olympiasieg in den USA bedeutet. Die meisten Amerikanerinnen und Amerikaner dürften letztes Frühjahr kaum realisiert haben, dass die beste Skirennfahrerin der Welt aus ihrem Land stammt. "Olympia ist der beste Weg, damit ich in den USA bekannt werde". Sollte Shiffrin in Südkorea eine Goldmedaille gewinnen, so wäre es nach dem Slalom-Gold von Sotschi bereits die zweite bei Olympischen Spielen und die gesteigerte Bekanntheit in der Heimat wäre ihr gewiss. Lindsey Vonns Idee, ein Rennen gegen die Männer zu bestreiten, findet Shiffrin gute Werbung für den Skisport. "In den USA ist der Skisport nicht so bekannt wie in Europa. Alles, was dem Skisport zu Popularität verhilft, ist cool." Die Slalomkönigin sagt, dass sie gelegentlich auch mit Männern trainiere und so ihre eigenen Limiten nach oben korrigieren könne. "Ich verstehe den Plan von Lindsey, ich selber aber habe dieses Ziel nicht."
 
Foto: peg