Europäer als Bittsteller in den USA

Europäer als Bittsteller in den USA
23.11.2017 10:20:44 | skionline.ch, Elina Kalela
APA, EK - Hannes Reichelt hat auch mit 37 Jahren noch nicht genug. Der Salzburger startet dieses Wochenende in Lake Louise in seine bereits 17. Weltcup-Saison. "Ich bin gesund und habe eine Riesenfreude am Skifahren. Ich denke noch nicht ans Aufhören" erklärte Reichelt in Kanada. Was Reichelt nach wie vor antreibt, ist seine Leidenschaft für den Skirennsport. Auch wenn derzeit seine Gemütslage wegen des Todessturzes von David Poisson "ziemlich weit unten" sei.

"Du kannst natürlich auch vor der Haustür ein Auto übersehen. Keiner von uns glaubt, dass man auf einer Skirennstrecke sterben kann", betonte Reichelt unmittelbar vor dem Tribut der Fahrer in Kanada für Poisson. "Der Tod von Regine Cavagnoud ist ewig her. Also sprechen wir eigentlich von einem sicheren Sport", ist Reichelt überzeugt. "Aber der Teufel schläft bekanntlich nicht und wenn deine Zeit abgelaufen ist - und Gott sei Dank wissen wir das nicht - dann passieren eben solche Sachen." Reichelt ist seit einigen Jahren Athleten-Vertreter und muss als solcher stets abwägen zwischen der "Privatmeinung des Rennläufers Hannes" und einer objektiven als Sprachrohr aller Kollegen. "Einig" ist er sich da zumindest bezüglich der aktuellen Forderung nach abgesicherten, quasi-permanenten Abfahrts-Trainingspisten.

"So etwas haben wir derzeit nur in Copper Mountain. Saalbach ist nahe dran. Aber insgesamt wurde das in den vergangenen Jahren eigentlich komplett verschlafen", lautet Reichelts Kritik. Rund um seine Heimatgemeinde gäbe es etwa gleich mehrere Sprungschanzen. "Die kosten auch Geld. Warum hat es aber keiner geschafft, eine fixe Abfahrts-Rennstrecke zu bauen", fragte Reichelt und sieht neben der Sicherheit einen weiteren Vorteil. "Solche Strecken gibt es ja außer in Saalbach in Europa praktisch nicht. Für einen Investor könnte dies also ein gutes Geschäft sein."

Die Nutzung der Pisten in Copper sei nicht billig, betonte Reichelt. "So hätten wir nicht nur die bestmögliche Sicherheit sondern auch gleich ein Druckmittel gegen die Amerikaner. Dort sind wir derzeit alle Bittsteller. Bei uns haben viele Skigebiete noch nicht erkannt, dass man mit Skirennlauf auch Geld verdienen kann."

Dass es der Abfahrt irgendwann wegen der Kosten und des Risikos an den Kragen gehen könnte, glaubt Reichelt aber "definitiv nicht". "Wenn das IOC die Abfahrt aus dem Programm streicht, dann fahren wir zur selben Zeit eben in Kitzbühel. "Ich bin überzeugt, dort hätten wir dann mehr Zuschauer als bei jedem Olympia-Bewerb." Olympia habe natürlich einen totalen Stellenwert. "Aber die Abfahrt ist der Kult im alpinen Skirennlauf. Und den derwürgen sie nicht ab."

Erfreut registriert hat Reichelt den wieder kleiner gewordenen Radius bei den Riesenslalom-Ski: "Die FIS hat einen Fehler gemacht und diesen halbwegs schnell wieder behoben. Die Ski sind nun echt wieder cool zu fahren". Weil es wie auf immer ein solche Überhang technischer Bewerbe in Weltcup gibt, die einen Gesamtsieg eines Speedfahrers praktisch ausschließe, machte der Salzburger klar, dass auch er nun bald wieder in Riesenslalom starten könnte. "Vielleicht schon nächste Woche in Beaver Creek."

Foto: Agence Zoom