Aleksander Aamodt Kilde: "Potenzial ist nicht ausgeschöpft"

Aleksander Aamodt Kilde:
04.07.2017 14:09:17 | skionline.ch, Peter Gerber
peg. Aleksander Aamodt Kilde (24) ist der aufstrebende Fahrer im norwegischen Speed-Team und auf bestem Weg, in die Fussstapfen von Aksel Lund Svindal oder Kjetil Jansrud zu treten. Im Interview auf www.fis-ski.com spricht er über seine Ziele, Kraft und die Olympischen Spiele 2018.

Ein 7. Platz in der Weltcup-Gesamtwertung und je ein 3. Platz im Super-G und in der alpinen Kombination. Aleksander Aamodt Kilde, wie bewerten Sie Ihre Saison 2016/17?
Alexander Aamdt Kilde: "Es war eine gute Saison, eine mit Höhen und Tiefen. Aber mein erster Gedanke, wenn ich an den vergangenen Winter denke, gilt der Konstanz während der Saison. Aber die vielen vierten Plätze zeigen mir, dass ich das Potenzial noch nicht ganz ausgeschöpft habe. Ich denke dass ich in der Lage bin, es noch besser zu machen."

Bei der Kombination von Santa Caterina haben Sie mit Ihren Slalom-Fähigkeiten überzeugt und sich das erste Kombi-Podest gesichert. Haben Sie intensiv Slalom trainiert oder wie erklären Sie sich dieses Resultat?
"Bis zum Beginn meiner Weltcup-Karriere habe ich mich auf die technischen Disziplinen konzentriert. Auch wenn ich im Training wohl etwas mehr Slalomtore gefahren bin als in den früheren Jahren, so war ich in Santa Caterina selbst etwas überrascht. Einer der Gründe ist sicher, dass ich ein gutes und zu meinem Fahrstil passendes Set-up in dieser Disziplin gefunden habe."

2013, nach dem Gewinn der Europacup-Gesamtwertung, sagten Sie in einem Interview, dass Sie als Top-Allrounder dereinst um den Gesamtsieg im Weltcup mitkämpfen wollen. Ist dieses Ziel noch immer in Ihrem Hinterkopf?
"Ein Allrounder zu sein war immer mein Plan und den Gesamtweltcup zu gewinnen ist sicher mein grosses Ziel. Ich hoffe sehr, dass ich dieses auch erreichen kann. Zuerst muss ich mich aber in Abfahrt und Riesenslalom noch verbessern, wenn ich eine Chance auf die grosse Kristallkugel haben will. Das Fazit: ich muss mein schnelles Skifahren der letzten Jahre konservieren und die Technik in allen Disziplinen verbessern. So kann ich – besonders im Super-G – auch um den obersten Podestplatz mitkämpfen."

Der Riesenslalom war einst Ihre stärkste Disziplin und 2013 wurden Sie sogar Junioren-Weltmeister. Was denken Sie, wird der neue Riesenslalom-Ski den Speed-Fahrern wieder etwas mehr entgegen kommen? Haben Sie das neue Material schon gefahren?
"Nach meinen ersten Tests auf den neuen Riesenslalom-Skiern war mein erster Gedanke, dass diese Disziplin wieder mehr Spass machen wird. Ich bin überzeugt, dass es für die Speed-Fahrer einfacher sein wird, diese Skis zu beherrschen. Der neue Ski macht es einfacher, den optimalen Schwung fahren zu können. Das heisst, dass die Speed-Fahrer künftig weniger Riesenslalom-Training brauchen werden, um Top-Positionen erreichen zu können."

Bei der WM in St. Moritz landeten Sie in der Kombination und im Super-G auf dem 4. Platz und in der Abfahrt wurden Sie Sechster. Was hat zur Medaille gefehlt? Waren Sie zu nervös?
"Diese Fragen habe ich mir nach der WM so oft gestellt. Wenn die Antwort so einfach wäre, dann hätte ich sie gleich dort gegeben. Ich weiss, dass ich einige Fehler gemacht habe. Diese haben mir womöglich die Podestplätze gekostet. Sicher war ich etwas nervös, aber das war nichts Ungewöhnliches."

2018 wartet in Pyeongchang ein weiteres Grossereignis. Beim Testwettkampf wurden Sie 2016 Vierter im Super-G. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie an Olympia denken? Ist Ihre Vorbereitung deshalb etwas anders als sonst?
"Die kommende Saison unterscheidet sich nicht von andern. Ich muss meine Vorbereitung wieder so gestalten, damit ich meine Ziele sowohl im Weltcup wie auch bei Olympia erreichen kann. Es wäre nicht klug, grosse Veränderungen in der Vorbereitung vorzunehmen. Aber mit den gemachten Erfahrungen werde ich in der Lage sein, besser auf Details achten und in den Rennen Fehler vermeiden zu können."

Sie gelten als einer der physisch stärksten Athleten. Gibt es im Sommertraining etwas das Sie anders machen als Ihre Kollegen im Team?
"Ich habe in jungen Jahren damit begonnen, dass ich mich im Training sehr vielseitig betätigt habe. Das hat mir eine solide körperliche Basis gegeben und mir ermöglicht, während den Jahren im Kraftbereich zulegen zu können. Es ist schwierig zu sagen, ob ich grundlegend etwas anders mache als die Kollegen aus andern Nationen. Aber ich kann sagen, dass ich so ziemlich alles ähnlich mache wie meine Teamkollegen – aber ich versuche natürlich immer noch ein Schäufelchen drauf zu legen."

 
Quelle: fis-ski.com
Foto: Agence Zoom