Laurenne Ross zwischen Überzeugung und Zweifeln

Laurenne Ross zwischen Überzeugung und Zweifeln
18.05.2017 13:00:06 | skionline.ch, Peter Gerber
peg. Laurenne Ross ist nach einem Kreuzbandriss auf dem Weg zurück. In ihrem Blog gibt die 29 Jahre alte Amerikanerin einen Einblick in ihre Gefühlswelt.

Laurenne Ross, hinter Lindsey Vonn als Neunte in der Disziplinenwertung die zweitbeste US-Abfahrerin des zu Ende gegangenen Weltcup-Winters, hat sich Ende März – im 1. Lauf des Riesenslaloms der US-Meisterschaften in Sugarloaf – schwer am rechten Knie verletzt. Kreuzband gerissen, Meniskus kaputt. Die 28-Jährige, die schon einen Kreuzbandriss, Hüft-, Hand- und Schulterverletzungen hinter sich hat, sprach von der schwersten Verletzung der Karriere. Es folgte die Operation und nun der lange Weg zurück. In ihrem Blog wirkt Laurenne Ross sechs Wochen nach der Operation nachdenklich und zwischen der Überzeugung, stark in den Weltcup zurück zu kommen, und Zweifeln hin und her gerissen. Immer wieder aber ist in ihren Zeilen der Optimismus zu spüren.

"Was ist, wenn ich nicht mehr fit genug werde, um wieder auf höchstem Niveau Ski fahren zu können? Was passiert, wenn ich zurück kehre, aber von Zweifeln oder gar Angst geplagt werde? Was, wenn ich – was zwar unwahrscheinlich ist – nicht mehr Ski fahren kann? Was dann?", solche existentielle Fragen haben Ross in der Zeit nach der Verletzung geplagt und plagen sie zum Teil noch immer. Einen Weg, um diese Zweifel verarbeiten zu können, hat die Amerikanerin mit dem Schreiben eines Blogs auf ihrer Homepage gefunden. Sie habe zwar auch andere Dinge, die sie mit Leidenschaft machen könne. Klettern zum Beispiel. Oder Singen. Oder Töpfern. Aber das ganz grosse Ziel sei, dass sie wieder Skirennen fahren könne. "Ich werde den Weg der Reha weiter gehen, hart arbeiten und in neun Monaten bei den Olympischen Spielen dabei sein. Ich freue mich auch auf ein Leben nach dem Skisport – dieses beginnt aber noch nicht jetzt."

Sie könnte ja Musik machen, auf Reisen gehen, Freiwilligenarbeit in der Gemeinde leisten, in einer Frauenklinik in Afrika helfen, Tierärztin werden, Architektin werden oder ein Buch schreiben. Die Möglichkeiten seien schier grenzenlos. Sie möchte die Entscheidung über das Karriereende aber selber fällen und sich nicht vom Körper oder einer Verletzung dazu zwingen lassen, schreibt Ross. "Und ich bin nicht bereit dazu, diese Entscheidung jetzt schon zu treffen."

Dennoch macht sich die Amerikanerin Gedanken über die Zukunft, wenn sie durch die Verletzung zum Karriereende gezwungen würde. Immer wieder pendelt Ross in ihrem Blog zwischen Hoffnung und handfesten Bedenken hin und her. Und man spürt, wie sehr sie an ihrem Sport, dem Privileg, diesen Sport ausüben zu können, hängt. "Mit Skifahren drücke ich mich aus. Beim Skifahren fühle ich mein echtes, mein tiefstes Ich. Ich möchte andere dazu inspirieren, ihrem Traum zu folgen, hinzufallen, zu scheitern und wieder aufzustehen." Sie wisse eines ganz sicher: diese Zwangspause mache sie nur noch hungriger, schreibt Laurenne Ross. Es dürfte spannend werden, den Weg der Amerikanerin während der Sommermonate via Blog zu verfolgen.

 
Quelle: www.laurenneross.com
Foto: Agence Zoom