Aksel Lund Svindal: "Fragen Sie mich das später noch einmal..."

Aksel Lund Svindal:
26.09.2017 07:45:25 | skionline.ch, Peter Gerber
peg. Auch Aksel Lund Svindal arbeitet am Comeback. Im Interview mit skionline.ch spricht er über seinen Gesunheitszustand, Olympia, die Affäre um Henrik Kristoffersen und seine Einstellung zur Medienarbeit.

Während Lara Gut, Anna Veith und Marcel Hirscher dieser Tage vor die Presse getreten sind oder dies noch tun werden, arbeitet mit Aksel Lund Svindal ein weiterer prominenter "Comebacker" und ehemaliger Gesamtweltcupsieger in Chila an seiner Rückkehr. Der 34 Jahre alte Norweger hat sich die Zeit genommen und die per E-mail gestellten Fragen von skionline.ch beantwortet.

Aksel Lund Svindal, während des Sommers hat man in norwegischen Medien Unterschiedliches zu Ihrer Zukunft lesen können. Da stand einerseits, dass Ihnen wegen des angeschlagenen Knies das sofortige Karriereende drohe und andererseits war zu lesen, dass Sie sich eine WM-Teilnahme 2021 vorstellen können. Helfen Sie uns, was trifft zu – oder eher zu?
Aksel Lund Svindal: "Wahr ist, dass das Knie nicht perfekt ist. Aber ich hoffe, dass ich noch ein paar Jahre Ski fahren kann. Wir werden es sehen. Aktuell ist es so, dass ich von Woche zu Woche schauen muss. Das Training und die Vorbereitung in diesem Herbst verliefen besser als vor einem Jahr, und das stimmt mich positiv."

Sie trainieren seit einigen Wochen mit ihren Kollegen in Chile. Am 8. September haben Sie via soziale Medien von ersten Abfahrtsläufen geschrieben. Wie geht es Ihnen und wie funktioniert das Training?
"Wenn die Bedingungen passen, also wenn die Piste nicht zu unruhig ist, kann ich mit dem Rest des Teams mittrainieren. Unter schwierigeren Bedingungen aber muss ich mir die Aufgabe im Vergleich mit Aleks (Aamodt Kilde) oder Kjetil (Jansrud) etwas einfacher machen."

Wie sehr schränkt Sie das Knie ein? Sind es vor allem Schmerzen oder ist die Beweglichkeit noch eingeschränkt?
"Beides. Ich kann mit heftigen Schlägen nicht mehr so umgehen wie vorher."

Da Sie wegen der Knieverletzung behutsamer und mit weniger Schneetagen als Ihre Kollegen in den Winter starten werden: Bauen Sie Ihre Form ganz bewusst im Hinblick auf die Olympischen Spiele auf?
"Ich hoffe natürlich, dass ich für die Speed-Rennen von Lake Louise bereit sein werde. Wenn das nicht funktionieren sollte, dann ist ganz klar Olympia mein grosses Ziel."

Wie sehr beschäftigt Sie die politische Lage in Nord-/Südkorea?
"Aktuell nicht so sehr. Ich verfolge, so wie wohl jeder andere auch, die Nachrichten. Ich gehe davon aus, dass das IOC früher oder später eine klare Meinung  zur Situation und eine Richtlinie haben wird."

Den letzten Weltcup-Riesenslalom haben Sie im Dezember 2015 bestritten. Werden Sie in diese Disziplin zurückkehren oder setzen sie definitiv ausschliesslich auf die Speed-Disziplinen?
"Ich kann nicht so viele Schnee- und Skitage absolvieren wie ich es bisher in meiner Karriere gewohnt war. Darum denke ich, dass es für mich ohne genügend Training schwer würde, in den Riesenslalom zurück zu kehren."

In Oslo wird ein City-Event ausgetragen. Wie gross wäre die Lust darauf, vor eigenem Publikum fahren zu dürfen? Werden Sie eventuell als Vorfahrer mitmachen?
"Das weiss ich nicht, so detailliert habe ich mein Rennprogramm noch nicht angeschaut."

Norwegen stellt ein enorm starkes Team und Ihre Mannschaft ist für den tollen Zusammenhalt und Team-Spirit bekannt. Hat die Affäre um/mit Henrik Kristoffersen geschadet?
"Kein Team möchte sich mit internen Konflikten herumschlagen müssen. Noch mehr, wenn der Konflikt zur grossen Angelegenheit der Medien geworden ist. Aber ich glaube dass wir einen starken Teamgeist haben und dieser darunter nicht gelitten hat."

Sie sind seit Jahren gegenüber Fans aber auch zu Journalisten stets freundlich. Ist das ein Charakterzug von Ihnen oder einfach Ihr Verständnis von Professionalität?
"Ich denke, es ist eine Mischung aus beidem. Ich habe eine entspannte Haltung und bin als Athlet in der glücklichen Situation Wettkämpfe bestreiten zu können und generell das zu tun, was ich fürs Leben gerne mache. Aber ich verstehe auch die Businessseite des Sports. Wir alle hängen voneinander ab: Athleten, Trainer, Medien, Sponsoren und Fans."

Trotzdem Hand aufs Herz: welche Journalisten-Frage ärgert Sie mittlerweilen? Ich werde mir dann Mühe geben, diese in den nächsten Jahren nie (mehr) zu stellen....
"Ich bin mir nicht sicher. Ich habe in den letzten beiden Wintern nicht so viele Rennen fahren können. Fragen Sie mich später noch einmal..."

Das Interview wurde in schriftlicher Form geführt....

 
Foto: Agence Zoom