Die Skirennfahrerin 2.0 – der Umgang mit Facebook und Co.

Die Skirennfahrerin 2.0 – der Umgang mit Facebook und Co.
30.09.2017 13:53:15 | skionline.ch, Peter Gerber
peg. Was tut die Skifahrerin im Sommer? Die sozialen Medien liefern die Antwort. Joana Hählen (Athletin) und Stefan Abplanalp (Trainer) über den Umgang mit Facebook, Instagram und Co.

Mikaela Shiffrin oder Lindsey Vonn beherrschen das Spiel auf der Klaviatur der sozialen Medien bestens, andere – auch Männer – stehen den beiden Amerikanerinnen aber in nichts nach. Von Facebook bis Youtube, von Twitter bis Instagram oder von Snapchat bis Google+ – die Kanäle der sozialen Medien sind wichtige Werkzeuge auch für Skirennfahrerinnen und -rennfahrer geworden. „Die social media sind für uns eine nützliche Gelegenheit zu zeigen, was eine Skirennfahrerin im Sommer macht. Diese Frage wird mir nämlich immer wieder gestellt. Dank diesen Medien muss ich nicht nur erklären sondern ich kann es zeigen, dass Skifahren ein Full-Time-Job ist“, sagt Joana Hählen.

Für sie seien Postings von Bildern oder kurzen Videosequenzen primär ein Eigenmarketing sowie eine Platform für ihre Sponsoren und keinesfalls ein Weg, um die Konkurrentinnen – zum Beispiel mit Bildern von Skitagen, Schweiss treibenden Krafttrainings oder Sprüngen über hohe Hindernisse – zu beeindrucken. „Natürlich postet man in der Regel das beste Bilder und nicht jenes, wo eine Übung misslingt“, so die 25 Jahre alte Bernerin ehrlich. „Vielleicht kann man sich von einer Konkurrentin auch mal etwas abschauen oder wird dank eines Videos auf eine neue Übung aufmerksam, mehr aber nicht. Schliesslich haben wir alle unsere professionellen Trainingsprogramme.“

Zudem nutzt Joana Hähnen die sozialen Medien zur Unterhaltung. Und da könne es ab und zu witzige Zufälle geben, sagt die Speed-Spezialistin. „Als wir diesen Sommer im Trainingslager in Chile waren hat uns immer wieder ein Hund begleitet und wohl alle Fahrerinnen haben ein Foto mit diesem Tier gemacht (vgl. Bild oben). Kaum waren wird weg und zurück in der Schweiz posten Lindsey Vonn und Ilka Stuhec Bilder mit genau diesem Hund (vgl. Posting unten). Der hat wohl einen Narren an uns Skirennfahrerinnen gefressen.“

Wie aber ist es für eine Fahrerin, die sich nach einer Verletzung auf dem Weg zurück befindet? Setzen Trainingsbilder von Konkurrentinnen nicht zusätzlichen Druck auf und verleiten zu einem womöglich verfrühten und dadurch kontraproduktiven Trainingseifer? „Nein. Die Athletinnen sind von den medizinischen Abteilungen, durch die Physiotherapeuten und Trainer so gut betreut und informiert, dass Postings der Konkurrenz auf das eigene Trainingsprogramm keinen Einfluss haben“, ist Stefan Abplanalp überzeugt. „Videos oder Bilder der trainierenden Konkurrenz haben eher einen motivierenden Charakter und stacheln den gesunden Ehrgeiz der Athletin an.“

Abplanalp, Trainer der nach im Januar erlittenen Verletzungen an beiden Knien bald in den Weltcup zurückkehrenden Edit Miklos (Ungarn), sieht in der Verwendung der sozialen Medien kaum negative Punkte. „Facebook, Instagramm etc. bieten eine tolle Möglichkeit, um mit den Fans im Kontakt zu bleiben und auch um den Ausrüstern, den Sponsoren und Partnern eine zusätzliche Plattform zu bieten.“ Und während des Winters, wenn die Rennen fernab der Heimat stattfinden, sei es eine willkommene Möglichkeit, um mit Freunden oder der Familie im direkten Kontakt zu bleiben.

Alles sei immer eine Frage des Masses, so Abplanalp. „Wenn eine Nachwuchsfahrerin auf der Piste ständig mit dem Handy vor der Nase auftauchen würde, da müsste der Trainer natürlich schon auch mal eingreifen und mit der Athletin ein ernsthaftes Wort über Sinn und Zweck der Anwendung wechseln. „Aber man muss vorsichtig sein. Nicht jede Athletin die im Sommertraining fleissig auf das Handydisplay schaut, werkelt in den sozialen Netzwerken rum. Heute haben viele Fahrerinnen die vom Trainer verpassten individuellen Trainingsprogramme auf dem Handy gespeichert und müssen dort gelegentlich auch ihre Programme checken und Daten eingeben. Also als Trainer muss ich mich schon informieren, warum das Handy gezückt worden ist und warum es während des Trainings zum Einsatz kommt“, sagt der Meiringer.