Katja Grossmann: "Ich lese mich durch die diversen Heftli"

Katja Grossmann:
04.10.2017 19:07:48 | skionline.ch, Peter Gerber
peg. Die Berner Oberländerin Katja Grossmann (20) hat sich am Freitag (29. September) das rechte Bein gebrochen. Ihr Humor und ihre Zuversicht aber sind intakt. Ein kurzer Besuch im Inselspital Bern.

Statt im Renndress und vertikal im Skischuh stecken Katja Grossmanns rechter Unterschenkel und der Fuss im Gips und liegen horizontal im Spitalbett. Die Berner Oberländerin hatte sich Ende der Vorwoche beim Abfahrtstraining in Saas Fee knapp über dem Knöckel das Schien- und Wadenbein gebrochen. Bei einem kurzen "Krankenbesuch" erzählte die 20-Jährige am Mittwoch (4. Oktober) vom Unfall, von heil gebliebenen Knien und von dem, was die nächsten Wochen so bringen werden.

Katja Grossmann, wie sind der Sturz und die Augenblicke unmittelbar danach abgelaufen?
Kaja Grossmann: „Ich habe im Flachstück verkantet, die Kontrolle über den Ski verloren und bin dann vornüber gestürzt. Anschliessend bin ich bis auf die neben der Abfahrtspiste liegende Super-G-Strecke gerutscht und dort liegen geblieben. Als erstes habe ich hoch geschaut, ob nicht etwa eine Fahrerin mit Tempo daher kommt und habe gesehen, dass die Betreuer bereits eine Fahrerin abgewinkt und angehalten hatten.“

Und dann kam der Check des Körpers?
„Ja. Zuerst habe ich getestet ob die Knie heil geblieben sind. Und weil das so war, war auch die Erleichterung erst mal gross. Dann aber habe ich einen sich eigenartig anfühlenden Druck im rechten Schuh gespürt und habe an eine Schuhrandprellung gedacht. Weil der Druck aber stärker wurde war mir klar, dass da etwas anderes kaputt sein muss.“

Die Knie sind heil geblieben, aber ein glatter Schienbeinbruch und ein Trümmerbruch des Wadenbeins sind nicht ohne...
„Das stimmt schon, aber wenn die Heilung gut verläuft, dann kann ich das Bein früher wieder voll belasten als nach einem Kreuzbandriss. In meinem Fall kann ich schon bald eine Belastung bis 5 Kilo und nach drei Wochen eine Belastung mit bis zu 15 Kilo riskieren. Nach 6 bis 8 Wochen ist das Bein im Optimalfall wieder voll belastbar.“

Dann haben Sie jetzt einiges an Metall im rechten Unterschenkel?
„Nicht mal so viel. Im Schienbein ist ein langer Nagel drin, der dann wohl irgendwann wieder raus muss. Der Wadenbeinknochen konnte nicht mit einer Platte fixiert werden, weil diese gestört und wohl auch Schmerzen verursacht hätte. Die Ärzte hoffen, dass die Heilung dank der Stabilisierung des Schienbeins aber dennoch gelingt. Das ist halt noch ein bisschen unsicher.“

Sie machen, obwohl der Winter 2017/18 fast gelaufen ist, einen gefassten Eindruck. Aber es gab sicher auch andere Momente, oder?
„Am schlimmsten war es unmittelbar nach dem Sturz. Als ich auf der Super-G-Piste lag ist mir durch den Kopf gegangen, was ich nun alles verliere und nicht machen kann. Das hat schon gearbeitet in mir drin. Aber im Spital angekommen hatte ich das Geschehene akzeptiert. Und das ist noch immer so.“

Das ist eine starke Haltung. Haben Sie Hilfe eines Mentalcoaches?
„Ich arbeite grundsätzlich mit einer Mentaltrainerin zusammen. Sie ist aber in den Ferien und es ist kein Problem, dass ich die ersten zwei Wochen selber mit dieser Situation umgehen muss.“

Sie wollen die Reha auch gleich nützen, um Ihre Rückenprobleme in den Griff zu bekommen. Was ist denn dort nicht in Ordnung?
„Das ist noch schwierig zu erklären. Es gibt eine Stelle an der Wirbelsäule, wo die Wirbel zu beweglich sind. Mit der Stärkung der Rückenmuskulatur wollen die Ärzte und ich nun eine Stabilisierung dieser Stelle erreichen.“

Der Winter 2017/18 ist aber gelaufen, oder rechnen Sie noch mit Renneinsätzen?
„Also mindestens bis Weihnachten ist nicht ans Skifahren zu denken. Und das auch nur, wenn alles optimal läuft. Ich tendiere eher darauf, dass ich mich auf die Saison 2018/19 konzentriere. Es macht wenig Sinn, Renneinsätze zu erzwingen. Vielleicht passt es für die Materialtests im Frühling dann wieder ganz gut.“

Neben Reha und Gesundwerden werden Sie in den nächsten Wochen Zeit für anderes haben. Haben Sie schon Pläne?
„Fixe Pläne nicht, nein. Im Spital lese ich mich jetzt mal durch die diversen Heftli. Aber eventuell kann ich am Donnerstag schon das Spital verlassen. Danach würde ich gerne meine Kenntnisse in Sachen Sprachen verbessern. Aber wie genau, ist noch offen.“
Foto: peg