Happy Birthday, Bode Miller (40)

Happy Birthday, Bode Miller (40)
12.10.2017 10:29:24 | skionline.ch, Peter Gerber
peg. Heute (12. Oktober) feiert Olympiasieger und Mehrfach-Weltmeister Bode Miller seinen 40. Geburtstag. Rückkehr-Gerüchte in den Weltcup gibt es kaum mehr.

Um Bode Miller ist es still geworden. Die letzten "News" rund um den heute 40 Jahre alt werdenden Amerikaner stammen aus den Anfängen des Jahres 2017. Als Teilhaber der US-Bekleidungsfirma Aztech Mountain sagte Miller anlässlich der ISPO in München: "Es ist zu mehr als 90 Prozent sicher, dass ich nicht mehr in den Ski-Zirkus zurückkehren werde". Man ist versucht "90 Prozent sind keine 100 und bei Miller weiss man nie" zu sagen. Aber eigentlich rechnet niemand mehr ernsthaft damit, dass Miller nach seiner am 5. Februar 2015 beim WM-Super-G von Vail/Beaver Creek erlittenen Verletzung noch einmal als Rennfahrer zurückkehrt – zumal Miller auch keine Berücksichtigung in den (vorläufigen) US-Kadern gefunden hat. Und die bei Hardcore-Fans womöglich doch aufkommenden Comeback-Hoffnungen – zumindest für 2017/18 – macht US-Alpindirektor Patrick Riml zunichte: "Bode wird dieses Jahr sicher kein Rennen bestreiten", so der Österreicher gegenüber skionline.ch.

Einen offiziellen Rücktritt Millers gibt es nicht, wird es wohl auch nie geben. Der vierfache Vater wird, so wie er das vor einigen Jahren gesagt hat, still und leise von der Bildfläche verschwinden. Vielleicht taucht er in andern Funktionen – als Vertreter von Firmen, als (Mit-)Entwickler der Skimarke Bomber, als TV-Experte – in den Zielräumen von Weltcup-Rennen wieder auf.

Am 6. Februar 2015 veröffentlichte skionline.ch unter dem Titel "Auch darum wäre Bode Millers Karriereende ein herber Verlust" einen Kommentar. Der Inhalt stimmt – bis auf die Einleitung – noch heute. Darum veröffentlichen wir diesen Text zu Millers 40. Geburtstag nachstehend noch einmal. Happy Birthday, Bode. Vielleicht bei anderer Gelegenheit wieder.
Foto: Instagram Bode Miller

Die jüngsten Bilder zeigen Bode Miller in einem Spitalbett. Bilder, die man nicht sehen möchte und unweigerlich – in Kombination mit Bode Millers Alter – die Frage aufkommen lassen: wird Miller wieder Rennen fahren oder war's das mit der Karriere? Persönlich wünsche ich mir, dass Bode Miller zurückkehrt. Ich bin mit dem amerikanischen Alpindirektor Patrick Riml einer Meinung wenn dieser sagt: "Bei Bode weiss man nie. Ich hoffe, er findet die Motivation, um nochmals Gas zu geben. Denn der Skisport braucht Typen wie ihn".

Bode Miller hat mich genervt. Zum Beispiel 2002 beim einem Pressetermin in Luzern. Gelangweilt, während des Gesprächs in Prospekten blätternd, gab er mir und meinen Berufskolleginnen und -kollegen zu verstehen, dass wir eigentlich nur stören. Zum Beispiel dann, wenn er wieder – weil ihm etwas, was die FIS oder den US-Verband betrifft, nicht gepasst hat – mit dem Rücktritt kokettiert hat und in der Öffentlichkeit trotzköpfig wirkte. Bode Miller aber hat mich viel öfter fasziniert. Dann, wenn er auf den Pisten Dinge gezeigt hat, Linien gefahren ist und Bewegungen gemacht hat, die kein anderer konnte.

Millers oft kritisierte Lockerheit am Start, gepart mit den unüblichen "Fausthandschuhen", wurde oft als Lustlosigkeit interpretiert. Zu Unrecht, wie ich behaupte. Bode Miller war und ist ein Vollblut-Rennfahrer. Seine Rennfahrer-Kollegen attestieren dem Amerikaner, dass dieser gerade im Materialbereich ein Tüftler und Perfektionist (gewesen) sei. Er sei in der Hochblüte seiner Karriere nicht nur der "wilde Vogel" gewesen, als dieser er medial oft dargestellt worden ist. Er, gesegnet mit unglaublichem Talent, hat phasenweise zweifellos über die Stränge geschlagen. So genoss er bei den Olympischen Winterspielen in Turin das allabendliche Leben in der Disco. Die Quittung für einen, der in sämtlichen Disziplinen hätte eine Medaille gewinnen können: null Medaillen. Von Konkurrenten darauf angesprochen, ob er sich nicht seriöser auf die Rennen vorbereiten wolle entgegnete Miller nicht selten, dass dem Fragesteller selber etwas mehr Lockerheit vielleicht auch grösseren Erfolg bringen würde.

Bode Miller, ein Mann mit Ecken und Kanten. Bode Miller, ein Skirennfahrer, der aber auch Tiefgang hat. Luzern 2002, Pressetermin. Miller wird gefragt, ob er ein stolzer Amerikaner sei. "Nein, was ich tue, das tue ich für mich. Ich repräsentiere nur mich, nicht wie die Politiker die starken USA." Und zu George W. Bush wolle er nichts sagen. Dann sagt Miller doch etwas zum damals aktuellen Präsidenten: "Ich habe ihn sicher nicht gewählt".

Mit dem Wohnmobil unterwegs, Rebell, aufgewachsen ohne fliessendes Warmwasser, Hippie-Eltern – alles Dinge, die für die Charakterisierung von Bode Miller gerne verwendet worden sind. Dinge die so auch stimmen. Familienvater Bode Miller ist ruhiger geworden. Sein Charisma aber hat er nicht verloren. Bode Miller ist der vielleicht letzte Superstar des Skirennsports. Stars wie Benjamin Raich haben gleich viele oder sogar mehr Medaillen an Grossanlässen gewonnen, und doch haben sie weniger Strahlkraft als Miller. Wenn sie – die Raichs, Défagos, Matts oder Kostelics – zurücktreten, sind die jeweilige Skination und eine Fangemeinde traurig. Wenn Bode Miller zurücktritt, dann ist der Skisport traurig.
Peter Gerber Plech, Chefredaktor skionline.ch