Geschichte

Die alpine Kombination und ihre Geschichte

Ein Hauch von Wehmut schwang bei der Super-Kombination am vergangenen Freitag in Wengen mit, als die alpine Kombination aus Slalom und Abfahrt stattfand. Schließlich war davon auszugehen, dass der Bewerb in dieser Form das letzte Mal am Lauberhorn stattfand, auch wenn er im provisorischen Rennkalender des kommenden Jahres noch aufscheint. Beim FIS-Kongress im Frühjahr wird über die Zukunft  entschieden werden. Seit Jahren steht wieder steht im Raum, die Kombination gänzlich durch Parallelrennen zu ersetzen. Nichtsdestotrotz hat der traditionsreiche Bewerb nach wie vor eine Lobby, wie jüngst in einer Diskussionsrunde beim „Mountain Peak“ anlässlich der Hahnenkammrennen in Kitzbühel klar wurde. Der österreichische Cheftrainer und nicht wenige andere namhafte Stimmen machen sich für einen Verbleib der Kombination im Rennkalender stark.

 

An  dieser Stelle soll ein Blick auf die Geschichte dieses  Bewerbs gemacht werden, der gewissermaßen als „Mutter aller Bewerbe“ im alpinen Skirennlauf bezeichnet werden kann. Seine Wurzeln liegen im Berner Oberland, wo auch die Lauberhorn-Rennen stattfinden. Die Einführung der alpinen Disziplinen ist auf den britischen Einfluss auf den Skisport in dieser Schweizer Region zurückzuführen. Besonders der 1888 in Indien geborene und später geadelte Skipionier Arnold Lunn  setzte sich unermüdlich für diese Thematik ein. Da sein Vater ein Reiseunternehmen führte, hielt er sich schon vor dem Ersten Weltkrieg häufig im Berner Oberland auf. Schon damals fanden dort von den Briten veranstaltete Skiwettbewerbe statt, allerdings waren das noch klassische „Langläufe“ mit Aufstieg und Abfahrt.

 

Nach dem Ersten Weltkrieg begann sich dann zunehmend die Devise „Downhill only“ durchzusetzen. Ein gleichnamiger Club entstand in Wengen. Auf die Initiative Arnold Lunns entstand 1924 in Mürren der Kandahar Skiclub. Seinen etwas eigentümlichen Namen, dessen Herkunft heute vielen nicht geläufig ist (Wie kommt ein Skiclub zum Namen einer Stadt in Afghanistan?) erhielt er von einem 1911 begründeten Skirennen, dem Roberts of Kandahar Challenge Cup. Ein britischer Kriegsheld, der Field Marshal Earl Roberts of Kandahar, hatte dafür einen Pokal gestiftet. Den Kandahar Skiclub (ein prominentes Mitglied ist heute etwa Dave Ryding, der am vergangenen Wochenende auch in Wengen im Einsatz war) nutzte Arnold Lunn zur Weiterentwicklung der von ihm präferierten Disziplinen Abfahrt und Slalom. Bei letzterem ging es ihm auch darum, den Sieger nach der schnellsten Zeit, nicht nach Punkten, zu ermitteln.

 

Im Jahre 1927 führten Lunns Wege nach St. Anton am Arlberg. Er wollte dort den berühmten Skilehrer Hannes Schneider und dessen Arlberg-Technik kennenlernen. Es wurde vereinbart, im darauffolgenden Jahr eine Kombination aus Abfahrt und Slalom zu veranstalten, die nach den veranstaltenden Clubs Arlberg-Kandahar genannt werden sollte. Diese Arlberg-Kandahar-Rennen des Jahres 1928 markieren den eigentlichen Beginn des alpinen Skirennlaufs. Der prestigereichste Bewerb war die Kombination – und das war bis in die Zeit lange nach dem Zweiten Weltkrieg der Fall. Ab 1930 wurden die Arlberg-Kandahar-Rennen abwechselnd in Mürren und St. Anton abgehalten. In jenem Jahr konnte Arnold Lunn auch die Durchsetzung der alpinen Disziplinen beim FIS-Kongress in Oslo erreichen, trotz des Widerstands der Skandinavier, die darin eine Bedrohung für „ihre“ Disziplinen Lang- und Sprunglauf sahen.

 

In diesen Jahren entstanden weitere Kombinationsrennen, etwa am Lauberhorn in Wengen 1930 und am Hahnenkamm in Kitzbühel 1931. In Wengen geschah dies aus einer gewissen Not heraus, da die Schweizer Skirennläufer eine Bedrohung durch die britische Konkurrenz sahen, die ihnen den Rang abzulaufen schienen. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die Lauberhorn-Kombination, wie auch jene am Hahnenkamm und Arlberg-Kandahar, zu einem der prestigeträchtigsten Rennen. Ihr Rekordsieger stammte aus Wengen selbst: Karl Molitor (1920-2014), drei Mal Kombinationssieger und sogar sechsmal Abfahrtssieger.

 

Mit der Einführung des Alpinen Skiweltcups 1967 begannen sich die Prioritäten im alpinen Skilauf zu verschieben. Kitzbühel und Wengen blieben zwar bis heute Klassiker im Rennkalender, die Arlberg-Kandahar-Rennen verloren aber zunehmend an Bedeutung. Diese gilt auch für die alpine Kombination, die noch 1936 als einzige Disziplin gewertet worden war, als alpine Skirennen erstmals bei Olympischen Spielen am Programm standen. Durch die Einführung des Weltcups wurde das Spezialistentum gefördert, das sich immer mehr bemerkbar machte. Daran mochte auch die Einführung der Superkombination als eigene Disziplin nichts ändern, die 2005 erfolgte. Gegenwärtig steht diese Disziplin – wie eingangs erwähnt – vor einer ungewissen Zukunft.

 

 

Bild: Karl Molitor, Rekordsieger am Lauberhorn

Text: Christof Thöny/skionline

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Redaktion skionline

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