Geschichte

Karl Schranz: 80 Jahre alt

Am 18. November 2018 feierte Karl Schranz seinen 80. Geburtstag. In der langen Liste der aus Österreich stammenden Skirennläufer ist Schranz bis heute einer der bekanntesten und erfolgreichsten. Seine aktive Karriere wie auch seine spätere berufliche Laufbahn waren von Ausdauer auf höchstem Niveau gekennzeichnet. Andererseits ist er auch eine umstrittene Persönlichkeit, die immer wieder Anlass für Kontroversen gab. Besonders die „Schranz-Affäre“ bei den Olympischen Winderspielen 1972 in Sapporo stellt ein bemerkenswertes Kapitel österreichischer Zeitgeschichte dar.

Wenige Monate nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich wurde Karl Schranz 1938 geboren. Aus dem Pitztal stammend, hatte sich sein Großvater während des Baus der Arlbergbahn in St. Anton niedergelassen. Auch der Vater Anton Schranz arbeitete bei der Bahn und beging als Streckenbegeher den Arlberg-Eisenbahntunnel. Seine aus Böhmen stammende Frau Anna lernte er als Musiker kennen. Als Köchin bei einer „Herrschaft“, der böhmischen Grafenfamilie Schaffgotsch, hielt sie sich öfters in St. Anton auf, wo die adelige Familie in der Villa Trier – dem heutigen Museum – urlaubte. Die zwischen 1933 und 1944 geborenen fünf Kinder der Familie Schranz – eine Tochter und vier Söhne – wuchsen in einfachen Verhältnissen während des Zweiten Weltkriegs und in den Nachkriegsjahren auf. Weit schlimmer als die Verwirrung am Ende des Krieges wurde das Schicksal der Familie am 13. September 1946 geprägt. Ein in der Nachbarschaft ausgebrochenes Feuer legte das Elternhaus mit allem Hab und Gut in Schutt und Asche. Die Notsituation und die Demütigung der vorübergehenden Obdachlosigkeit prägten sich tief ein. Neben der Arbeit in der kleinen Landwirtschaft waren der Winter und der Skilauf besonders wichtig für die heranwachsenden Kinder der Familie Schranz. Skirennen zu bestreiten galt schon in frühen Jahren als Selbstverständlichkeit. Einen besonderen Förderer fand Karl Schranz in Toni Spiss, dem aus St. Anton stammenden Bronzemedaillengewinner der Olympischen Winterspiele in Oslo 1952.

Schranz kam in jungen Jahren ins Nationalteam und erkämpfte sich seine Position als „Nachfolger“ des dreifachen Olympiasiegers Toni Sailer mit unbändigem Siegeswillen. Er war hart zu sich selbst, trainierte mehr als die anderen, scheute keine Konfrontation und ging oft „mit dem Kopf durch die Wand“. Er sorgte aber immer wieder auch für neue Impulse in seinem Sport. Der starke Abfahrer und Riesentorläufer nützte als einer der ersten den Windkanal, fiel ab 1966 mit einem einteiligen Rennanzug auf und beschleunigte auf den letzten Metern vor dem Ziel mit seiner „Schranz-Hocke“. Der Ehrenbürger St. Antons feierte zwei Gesamtsiege im Weltcup (1969 und 1970), zudem war er dreimal Weltmeister (1962 zweimal und 1970). Wäre der Weltcup schon früher eingeführt worden, hätte er ihn mindestens vier oder gar fünf Mal gewonnen.

Untrennbar mit dem Namen Schranz ist aber auch dessen vergebliche Jagd nach Olympia-Gold verbunden. Zweimal hatte man ihm die Chance darauf genommen, doch er hat seinen Frieden mit den Fünf Ringen geschlossen. Bei den Winterspielen in Innsbruck 1964 holte er Silber im Riesentorlauf, vier Jahre später stand er in Grenoble kurze Zeit  sogar als Slalom-Olympiasieger fest. Schranz hatte wegen einer Behinderung den zweiten Lauf nochmals absolvieren dürfen, markierte Gesamt-Bestzeit, wurde aber nachträglich doch disqualifiziert. Gold erhielt stattdessen der Franzose Jean-Claude Killy. Dann kam Olympia 1972 in Sapporo, das in der Biografie des Arlbergers einen besonderen Platz einnimmt. Schranz reiste als Abfahrts-Favorit nach Japan, wurde aber kurz vor dem Rennen wegen des sogenannten „Amateur-Paragraphen“ von den Spielen ausgeschlossen. In Österreich kochte wegen des Unrechts gegen den Skistar die Volksseele über – IOC-Chef Avery Brundage hatte Schranz als „den Schlimmsten“ stellvertretend für alle anderen Alpin-Rennläufer bestraft – bei der Rückkehr bereiteten ihm mehr als 100.000 Menschen einen triumphalen Empfang in Wien, wo er vom Balkon des Kanzleramtes winkte. „Das Ausschluss tut heute nicht mehr weh, aber es war eine Ungerechtigkeit“, sagte Schranz im Rückblick. Der „Schranz-Rummel“ von 1972 war weit mehr als eine sportliche Geschichte. Der damit zelebrierte Opferstatus Österreichs ließ auch viele Rückschlüsse auf den Umgang des Landes mit der NS-Vergangenheit zu.

Danach beendete Schranz seine Rennläuferkarriere und widmete sich dem Aufbau seines Hotels in St. Anton. Als Skischulleiter in seinem Heimatort löste er in den 1980-er Jahren manche Kontroversen aus und musste schließlich zurücktreten. Dennoch widmete er sich seit den 1990-er Jahren vehement um die Ausrichtung einer Alpinen Skiweltmeisterschaft in St. Anton. Diese fand 2001 statt, wobei zuvor massive Investitionen in die Infrastruktur des Ortes vorangegangen waren, insbesondere in Bezug auf die Verlegung der Bahnlinie. Schranz gute Kontakte zur Politik waren dabei ein entscheidender Vorteil. Anlässlich der Skiweltmeisterschaft lernte er den russischen Präsidenten Wladimir Putin kennen. Die Freundschaft hält bis heute an, Schranz ist des Öfteren zu Gast in Russland.

Eine Sonderausstellung zum 80. Geburtstag von Karl Schranz ist derzeit im Museum St. Anton am Arlberg zu sehen:

www.museum-stanton.com

Quelle: APA

Bilder: Archiv Karl Schranz

Text: skionline/Christof Thöny

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Redaktion skionline

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