Geschichte

Ulrike Maiers Tod jährt sich um 25. Mal.

25 Jahre ist es demnächst her, dass Skirennläuferin Ulrike Maier bei der Weltcup-Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen tödlich verunglückt ist. An die Salzburgerin und den tragischen 29. Jänner 1994 erinnert in Garmisch ein „Marterl“. Am Sonntag wird nach dem aktuellen Damen-Weltcup-Rennen im Zielraum auch ein Video über die Erfolge der zweifachen Super-G-Weltmeisterin aus Österreich gezeigt.

Maier war 1994 – drei Jahre nach dem Todessturz von Gernot Reinstadler in Wengen – mit Startnummer 32 nach einem Verschneider gegen eine auf der Piste befindliche Zeitmessvorrichtung geschleudert und dabei tödlich verletzt worden. Die Rauriserin gilt nach dem atypischen Sturz als erstes Opfer der damals neuen Carving-Technologie, nachdem gerade stärker taillierte Ski aufgekommen waren.

Seitdem hat sich die Sicherheit im Skiweltcup deutlich erhöht. Effektive Hochsicherheits-Fangnetze, blaue Spurlinien im Schnee, bessere Helme und zuletzt auch die Einführung von Airbags sind Beispiele. Oft wurde aber erst nach schweren Unfällen reagiert und nachgebessert. Todesstürze sind auch ein Vierteljahrhundert später nicht zu verhindern. Es ist nur knapp ein Jahr her, dass der Franzose David Poisson und der Deutsche Nachwuchsfahrer Max Burkhart im Training bzw. einem Rennen in Kanada ums Leben gekommen sind.

Auch deshalb bezeichnet Michaela Dorfmeister den Skirennsport in einem APA-Interview weiter als eine der gefährlichsten Sportarten überhaupt und zudem als „Entwicklungsland“. Die spätere Doppel-Olympiasiegerin musste damals als junge ÖSV-Teamkollegin Maiers trotz der Tragödie nach langer Unterbrechung im Renntempo über die Piste. „Alle Beteiligten waren mit der Situation überfordert“, erinnerte sich die 45-Jährige, die heute Technische Delegierte des Internationalen Skiverbandes (FIS) sowie Vizepräsidentin des niederösterreichischen Landesskiverbandes ist.

Der Todessturz der damals 26-jährigen Jung-Mutter Maier schockte die Ski-Welt. Die zweifache Super-G-Weltmeisterin befand sich in ihrer letzten Saison und war in dem live im Fernsehen übertragenen Rennen in der sogenannten Fis-Schneise mit über 100 km/h so heftig  gegen diesen mit Schneekeil und Strohsack gesicherten Zeitnahme-Pfosten gestürzt, dass der Aufprall tödlich war. 400 Kilogramm wirkten laut Gutachter auf ihren Körper und Kopf, ein Genickbruch war die Folge. Offiziell verstorben ist Maier im Unfallkrankenhaus in Murnau. Bis 2010 wurde in Garmisch keine Damen-Abfahrt mehr gefahren.

Peter Fischer war 1994 stellvertretender OK-Chef. „Vor allem die deutschen Medien haben das damals ausgeschlachtet und sehr emotional berichtet“, erinnert sich Fischer. „Es ist bis zu Morddrohungen gekommen. Damals war man in vielen Dingen hilflos, weil man nicht gedacht hat, dass so etwas überhaupt passieren kann.“ Maiers Eltern machten auf Fischer den größten Eindruck. „Sie hat es am meisten betroffen, sie haben sich aber am fairsten verhalten.“

Das Video am Sonntag soll nicht die Trauer zurückholen, sondern Maiers Erfolge zeigen. „Wir wollen an die Ulli erinnern, nicht gedenken. Sie war ein fröhlicher und netter Mensch und sie wird uns immer in Erinnerung bleiben“, erklärte Fischer.

Maiers damaliger Lebensgefährte Hubert Schweighofer hatte 1994 bald nach dem Unfall die gerichtliche Auseinandersetzung mit der FIS gesucht. Man einigte sich später auf einen Fonds für die Tochter. Melanie ist heute 29 und selbst Mutter. Schweighofer hat nach einer Heirat zwei weitere Kinder bekommen, ist Pilot bei einem Bedarfsflugunternehmen und betreibt eine Skischule in Rauris. Die damaligen FIS-Renndirektoren Kurt Hoch und Jan Tischhauser leisteten kleinere Geldbeträge an die Garmischer Bergwacht. Ihre Schuld sei gering, befand das Gericht.

Dass die Abfahrt trotz der Tragödie um Maier nach langer Unterbrechung fortgesetzt wurde, ist heute unvorstellbar. Es gewann die Südtirolerin Isolde Kostner, Dorfmeister wurde 29. – vor Alexandra Meissnitzer. Österreichs geschocktes Damenteam nahm an der folgen Weltcupfahrt in der Sierra Nevada nicht teil, bei den Winterspielen in Lillehammer gab es lediglich Slalom-Silber durch Elfriede Eder. ÖSV-Damenchef Herwig Demschar verließ danach Österreich und ging in die USA. Bei der Rückkehr der Damen ein Jahr später wurde in Garmisch die Nummer 32 nicht vergeben.

Maier war auch deshalb Publikumsliebling gewesen, weil sie zumersten Super-G-Gold 1989 in Vail/USA hollywood-reif, nämlich im dritten Monat schwanger, gerast war. Die Öffentlichkeit erfuhr davon aus bunten Illustrierten. Zwei Jahre später stand Schweighofer mit Tochter Melanie im Zielraum, als Maier bei den Heim-Titelkämpfen 1991 in Saalbach-Hinterglemm erneut im Super-G zuschlug sowie Silber im Riesentorlauf gewann. 1992 gewann sie endlich auch ihr erstes Weltcuprennen und ließ vier weitere folgen. Bestattet ist Maier im Friedhof ihres Heimatortes Rauris.

 

 

Quelle: APA

Bildquelle. Heinz Bayer, Salzburgwiki

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Redaktion skionline

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