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Unfälle und Verletzungsrisiko im professionellen Skisport – Tendenz steigend?

SOELDEN, AUSTRIA - OCTOBER 27: Loic Meillard of Switzerland in action during the Audi FIS Alpine Ski World Cup Men's Giant Slalom on October 27, 2019 in Soelden, Austria. (Photo by Alain Grosclaude/Agence Zoom)

Schon wieder haben sich Profis im alpinen Skizirkus schwer verletzt. Solche Meldungen kommen praktisch an jedem Rennwochenende und schärfen den Blick der Skisport-Fans auf das Verletzungsrisiko im Schneesport. Dabei lassen sich auch Stimmen hören, die meinen, dass der eine oder andere Sturz praktisch der Pfeffer in der Suppe im Skisport sei. Aktive, Trainer, Physiotherapeuten, Betreuer und die Entwickler der Sportgeräte sehen das naturgemäss anders. Jeder Sturz auf den schwierigen Pisten im Weltcup oder Europacup birgt die Gefahr schwerer Verletzungen, die nicht immer ein glückliches Ende haben.

In der Skiwelt entsteht die Wahrnehmung, dass Sturzverletzungen immer häufiger und schwerer werden. Dazu ist interessant zu hören, dass beispielsweise der österreichische Orthopäde Dr. Christian Hoser davon ausgeht, dass die reinen Zahlen der Verletzungen pro Saison nicht faktisch relevant zugenommen haben. Vielmehr sieht er das Problem in der Art und Schwere der Verletzungen, die sich zunehmend auf schwere Bänderrisse und Knochenbrüche beziehen.

Dabei ist es wohl vor allem die Art, wie die Sportgeräte selbst immer weiter entwickelt werden, ohne dabei die eigentliche Physiologie und Geometrie des menschlichen Körpers zu beachten. Mehr taillierte Ski, die immer präziser aber auch differenzierter auch auf kleinste Bewegungen von Körper und Piste reagieren und vor allem Skistiefel, die den Fuss praktisch wie in einem Schraubstock einzwängen, sind für ihn wesentliche Ursachen für so manchen schweren Sturz mit entsprechendem Verletzungsrisiko. So wird der Fuss praktisch vom Fussgelenk über den gesamten Unterschenkel in einer starren Stellung gehalten und sämtliche Belastungen müssen über das Kniegelenk abgefangen werden. Da kommt es schon sehr schnell zu Überlastungen von Bändern im Gelenk mit entsprechenden Folgen wie schweren Bänderrissen.

Interessant dabei dürfte auch sein, dass viele Strecken im Rennkalender immer schwieriger werden und vor allem die Pausen zwischen den Rennen nach Ansicht von Dr. Christian Hoser viel zu kurz sind. So haben die Gelenke und Bänder kaum ausreichend Zeit, sich wieder zu regenerieren und damit auf kommende hohe Belastungen vorzubereiten. Auch im Junioren-Bereich sieht Dr. Christian Hoser ein bestimmtes Risiko, dass sich vor allem aus den hohen Erwartungen von Sportlern, Trainern und Verband ergibt. Hier wäre doch etwas mehr Entwicklungszeit für die Sportler genauso sinnvoll, wie der Verzicht auf den einen oder anderen Auftritt im Skizirkus.

Dazu passt gut die aktuelle Meldung, dass sich die Junioren-Weltmeisterin von 2019 Nicole Good beim einem FIS-Slalom in der Schweiz einen Riss des vorderen Kreuzbandes im rechten Knie und eine Verletzung des Aussenmeniskus zugezogen hat. Damit dürfte sie wohl für den Rest der Saison 2019/2020 ausfallen. Wie dann der Neustart gelingen wird, bleibt offen. Siehe auch http://mailing.swiss-ski.ch/m/7414378/0-3749b3725399cc963421706fe0e0e91b.

Dr. Christian Hoser praktiziert in Innsbruck in Gelenkpunkt. Zu seinem Klientel gehören Spitzensportler wie etwa Anna Veith oder Cornelia Hütter. Auch bei Aksel Lund Svindal durfte der erfahrene Sport-Orthopäde bereits Hand anlegen und die operative Versorgung nach typischen Skisport-Verletzungen vornehmen.

Zum Thema informieren Sie sich auch im aktuellen Podcast oder hier auf skionline.ch innerhalb unserer Mini-Serie Sportverletzungen.

Nach einer vierwöchigen Rennpause geht der Weltcup in Levi in die nächste Runde. Lukas und Tobias erklären die Besonderheiten, die „Levi Black“ ausmachen (4:43). Der Damen-Slalom (11:16) findet mit Kathi Liensberger statt, während Christina Ackermann (15:57) die deutschen Hoffnungen trägt. Bei den Herren (28:34) stellt Swiss Ski wohl die stärkste Mannschaft. „Dark Horse“ Dave Ryding (40:34) beschreibt, wie zermürbend die Präsenz von Marcel Hirscher war (Thanks, The Ski Racing Podcast!). Außerdem erklärt Dr. Christian Hoser im Interview ab 48:58 auf exzellente Art und Weise, warum das Knie die Achillesferse des Skiweltcups bleibt, und wie er ein zerfetztes Kreuzband wieder flickt.

Text: Skionline

Bild: Agence Zoom

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Redaktion skionline

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