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Vonn: „Kann nicht mehr weinen“

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Dass Lindsey Vonn bei der Ski-WM in Aare ihre Karriere beenden wird, hat Ingemar Stenmark erst gelaubt, als sie ihm eine SMS „in Großbuchstaben“ geschickt hat. Die US-Amerikanerin bat die schwedische Skilegende auch, zu ihrem letzten Rennen zu kommen. Mit kaputtem Knie raste Vonn zu Bronze in der Abfahrt und
trat standesgemäß ab – wie am Tag vor ihr Aksel Lund Svindal mit Abfahrts-Silber.

Auf ihrer Interviewrunde nahm Vonn all ihre Medaillen mit, acht bei Weltmeisterschaften und drei bei Olympischen Spielen, davon glänzen drei in Gold. Sie sei so dankbar für diese Bronzemedaille, sagte die 34-Jährige nach dem letzten großen Auftritt ihrer Sport-Laufbahn. Jeder kenne ihre Mentalität, wegen der Bereitschaft, so viel zu riskieren, habe sie so viel gewonnen, sei aber auch so viel gestürzt und hätte sich all die Verletzungen zugezogen.

Den letzten Auftritt des von ihr so geschätzten Svindal am Vortag hatte sie sich zum Vorbild genommen. „Ich bin total mit Herz gefahren. Ich habe mir gedacht, Aksel schafft das, ich kann das auch schaffen. Nun haben wir beide unser märchenhaftes Finish und werden unsere Karriere heute Abend gemeinsam feiern.“ Die Skifirma Head lädt zur großen Party.

Zuvor geht sie noch mit Stenmark essen, ihm zu Ehren fuhr sie in einem speziellen Rennanzug mit blaugelben Elementen. „Er ist ein Mann weniger Worte. Ruhig, freundlich, nett. Es hat mir so viel bedeutet, dass er heute im Zielraum war. Er ist eine Ikone, eine Legende unseres Sports. Er mag das Scheinwerferlicht nicht, aber er verdient es“, sagte Vonn. Stenmark hätte es ihr gegönnt, den Rekord von 86 Weltcupsiegen zu brechen. „Aber sie hat schon so viele Rekorde, da ist das egal“, sagte er im Zielraum.

Vonn fügte auch in ihrem letzten Rennen noch welche hinzu: Wie Kjetil Andre Aamodt, Marc Girardelli und Svindal hat sie nun bei sechs verschiedenen Weltmeisterschaften Medaillen gewonnen. Mit der fünften WM-Abfahrtsmedaille zog sie mit Christl Cranz und Annemarie Moser-Pröll gleich. Mit 34 Jahren und 115 Tagen wurde sie zur ältesten WM-Medaillengewinnerin der Geschichte.

Am Sonntag waren nur Titelverteidigerin Ilka Stuhec, die für den dritten Goldmedaillengewinn Sloweniens in der WM-Abfahrt in Folge sorgte (2015 hatte Tina Maze gewonnen), und Corinne Suter besser als Vonn. Der Schweizerin erfüllte Vonn in ihrem letzten Rennen auch noch einen Wunsch. „Es war immer mein Traum, mit ihr am Podium zu stehen. Sie ist und wird für immer die Speed-Queen bleiben. Ich werde sie vermissen“, sagte Suter.

Auch Stuhec, zwischen deren zwei WM-Titeln ein Kreuzbandriss im Oktober 2017 liegt („Dieser Titel heute kam überraschender als der erste“), sah es als „Ehre“ an, beim Karriereende von Vonn mit dieser am Stockerl zu stehen. „Sie ist die Beste, Größte und eine großartige Person. Es haben nicht viele auf sie gesetzt, dass sie hier eine Medaille holt.“

Vielleicht nicht viele, aber Lindsey Vonn selbst. Das Wort „überraschend“ in Zusammenhang mit ihrem Bronzemedaillengewinn wollte sie deshalb nicht gelten lassen. „Ich habe es gehofft, aber nicht gewusst. Mehr als alles wollte ich stark aufhören. Ich wollte nicht wie am Dienstag im Netz enden. Ich wollte noch einmal aufs Podest. Ich bin dankbar, dass ich noch einmal auf diesem Level sein konnte. Es ist für mich das Best-Case-Szenario.“

Sie wisse, dass es ihr der Körper nicht mehr erlauben würde, noch einmal zu gewinnen, deshalb höre sie auf. Müde erschien sie zur Pressekonferenz für die Printjournalisten, es war am Sonntagnachmittag das – vorerst – letzte Frage-und-Antwort-Spiel nach einem Interview- und Foto-Marathon im Zielraum. „Ich war den ganzen Tag so nervös wie noch nie. Aber ich habe meine Emotionen bekämpft.“ Deshalb konnte sie ihren Plan ausführen, erklärte Vonn. Emotionen ließ sie viele zu in den vergangenen Wochen, seit sie um den Abschied wusste. Sonntag waren keine Tränen zu sehen. „Ich kann nicht mehr weinen. Alles trocken.“

Quelle: APA
Foto: Agence Zoom

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Elina Kalela

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