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Wendy Holdener: „Ich wollte unbedingt eine Medaille.“

Wendy Holdener hat in Aare wieder abgeliefert und der Schweiz die erste Goldene der Ski-WM 2019 beschert. Wie vor zwei Jahren gewann Holdener Gold in der Kombination, drei Hundertstel Vorsprung rettete sie am Freitag vor der Slowakin Petra Vlhova ins Ziel.

Die Medaille sei eine große Erlösung für sie, gestand Holdener am Freitagabend nach der Siegerehrung und einer Tour durch die Fernsehstudios. „Ich habe mir so Druck gemacht, weil ich habe so unbedingt eine Medaille wollen“, berichtete die 25-Jährige von Nervosität im Vorfeld. Sie habe die störenden Gedanken in ihrem Kopf („Dann rotiert es zu viel“) aber rechtzeitig ausblenden und sich auf ihren Plan besinnen können.

„Man hat gewusst, ich kann in der Kombi immer das Wörtchen mitreden, aber man weiß halt nie, wie die Abfahrt ist“, sagte Holdener. „Hier in Åre habe ich sie im Griff gehabt, da hat es nachher schon geheißen, dass ich eigentlich gesetzt wäre für Gold. Umso schöner ist es, dass alles so gut aufgegangen ist.“ Das Glück mit den Sekundenbruchteilen hatte die Schwyzerin schon 2017 in St. Moritz, damals lag sie fünf Hundertstel vor ihrer in Schweden verletzt fehlenden Teamkollegin Michelle Gisin.

Holdener hatte sich in den drei Abfahrtstrainings mit starken Leistungen in die Favoritenrolle für die Kombination gebracht. Als Fünfte der Kombi-Abfahrt verlor sie nur 0,42 Sekunden auf Spezialistin Ramona Siebenhofer, fuhr sich aber auch andererseits nur drei Zehntel Vorsprung auf Vlhova heraus, die im Slalom in dieser Weltcup-Saison klar schneller war. „Wie ich die Petra gesehen habe, dass sie so schnell war, habe ich schon gewusst, was läuft, und dass es jetzt eng wird.“

Im Slalom sei sie davon ausgegangen, dass Vlhova vorne sein würde, wenn sie im Starthaus steht. „Es ist dann eher ein bisschen ein Kampf gewesen, durch das habe ich halt auch die Zeit verloren. Ich bin richtig froh, dass ich es unten noch ein bisschen herausholen habe können.“ Bronze holte die Norwegerin Ragnhild Mowinckel.

Am Freitag schaffte Holdener mit der erfolgreichen Titelverteidigung auch ein Kunststück, das zuletzt vor 30 Jahren der nationalen Ski-Ikone Vreni Schneider gelang. Schneider hatte sich 1989 in Vail im Riesentorlauf wie schon zuvor in Crans Montana durchgesetzt, danach schaffte das keine Schweizerin in irgendeiner
Disziplin mehr. „Das ist sicher speziell“, sagte sie. „Da muss ich mich mit Vreni wieder einmal zusammensetzen. Offenbar hat unser Gespräch gut getan, das wir mit der ‚SI‘ (Schweizer Illustrierte; Anm.) geführt haben.“

Die Kombination sollte für Holdener erhalten bleiben – bei Großereignissen. „Es läuft auf das hinaus, weil sie haben zu wenig Platz, um alle Rennen unterzukriegen, mit Parallelbewerben auch noch. Das wäre für mich die sinnvollste oder beste Lösung“, betonte sie. Den Bewerb finde sie nach wie vor „sehr spannend. Wenn alle
Fahrerinnen mitmachen würden, könnten zehn um die Medaillen kämpfen“.

Für Unverständnis sorgte bei einigen die Kombi-Absage von Mikaela Shiffrin, die für Holdener wohl eine harte Nuss gewesen wäre. „Ich persönlich verstehe es nicht, aber sie hat ihre Ziele“, merkte Shiffrins US-Landsfrau Lindsey Vonn an. „Ich bin eine Rennfahrerin, ich möchte in jedem einzelnen Rennen fahren, das für mich möglich ist. Sie hätte eine Medaille in jeder einzelnen Disziplin gewinnen können.“

Holdener ließ sich von einer möglichen Diskussion um die Wertigkeit ihres Sieges aber nicht irritieren. „Das müsst ihr sie selbst fragen“, meinte sie. Shiffrin habe ihr vermittelt, „sie braucht mehr Zeit, es wäre sonst wahrscheinlich zu viel, und sie möchte sich auf Riesentorlauf und Slalom konzentrieren, weil sie zwei weitere Goldmedaillen gewinnen kann“. Vlhova gab sich noch kürzer angebunden: „Es ist ihre Entscheidung.“

Quelle: APA

Video: tirolerberg

Foto: Agence Zoom

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Elina Kalela

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