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Anna Veith beendet ihre Karriere

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„Ein sehr persönlicher Gedankenaustausch über ihren harten Weg zurück, ihre Träume und ihre Pläne für die Zukunft.“ Diese Worte standen in der Aussendung zum heutigen Mediengespräch mit Anna Veith im familieneigenen Hotel in Schladming/Rohrmoos. Gemeinsam mit Alexandra Meissnitzer blickte die Skirennläuferin auf ihre mehr als zehn Jahre dauernde Skikarriere zurück, die von zahlreichen Erfolgen, aber auch von etlichen verletzungsbedingten Rückschlägen geprägt war. Mit Anna Veith tritt Österreichs herausragende Skirennläuferin der vergangenen Dekade von der Bühne des alpinen Skirennsports ab. Nicht nur ihre sportliche Biographie, sondern vor allem auch der Umgang des Österreichischen Skiverbands und der Medien mit ihrer Person machen sie zu einer bemerkenswerten Persönlichkeit.

Die 1989 geborene Anna Fenninger hatte Anfang der 2000er Jahre gemeinsam mit Marcel Hirscher die Schulbank in der Skihotelfachschule Bad Hofgastein gedrückt. Wie bei ihrem männlichen Kollegen zeigte sich ihr Talent schon in frühen Jahren und damit steigerte sich auch der Erwartungsdruck. Bald war schon vielfach in den Medien die Rede davon, dass da eine neue Annemarie Moser-Pröll heranwachse. Mit zwei Goldmedaillen bei den Juniorenweltmeisterschaften in Québec stellte die gerade 16-jährige Fenninger 2006 eindrucksvoll unter Beweis, dass sie diesen Erwartungen auch gerecht werden konnte. Noch als Teenagerin stand sie 2009 als Zweite erstmals auf einem Weltcuppodest. Der erste Erfolg bei einem Großereignis gelang ihr 2011 in Garmisch-Partenkirchen mit der Goldmedaille in der Superkombination. Vier Jahre später krönte sie sich in Beaver Creek zur Doppelweltmeisterin. Olympiasiegerin durfte sie sich seit 2014 in Sotschi ebenfalls nennen. Die Erfolgsbilanz ist noch weitaus länger, dazu zählen auch zwei Siege im Gesamtweltcup und 15 Siege bei Weltcuprennen.

Nach ihrer Hochzeit mit dem Snowboardprofi Manuel Veith im April 2016 ging sie als Anna Veith an den Start. Die Saison zuvor hatte sie nach einem Kreuzbandriss, den sie beim Training in Sölden erlitten hatte, auslassen müssen. Ihre weitere Karriere war von Verletzungen und immer wieder Comebackversuchen und auch einem geglückten Comeback (mit dem Höhepunkt der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Pyongyang 2018) geprägt. Über ihre zahlreichen Operationen und gesundheitlichen Probleme wollte sie mit Alexandra Meissnitzer aber nicht allzu viel sprechen.

Ganz kurz angesprochen wurde dann auch nur eine Angelegenheit, wegen derer die Sportlerin vor genau fünf Jahren im Fokus der medialen Berichterstattung stand, auch der internationalen. Damals wagte sie es, sich gegen den Österreichischen Skiverband und seinen mächtigen Präsidenten Peter Schröcksnadel zu stellen. Anna Fenninger stand zu dieser Zeit am Zenit des Erfolgs. Sie fühlte sich vom ÖSV (nicht zu unrecht) schlechter behandelt als ihr männliches Pendant Marcel Hirscher und trat mit einem deutschen Manager auf. Schröcksnadel unterstellte der Sportlerin, die ihr Karriereende in den Raum gestellt hatte, „Selbstsucht“. Schlussendlich konnte jedoch eine Einigung erzielt und in einem denkwürdigen Medientermin verkündet werden. Vor allem die Kronen Zeitung hatte sich immer wieder auf Anna Veith eingeschossen – und das bis heute, wenn man die Betitelung „Von der ´Zicke´ zur Dame“ von vor einigen Tagen in Betracht zieht.

Derleit muss sich Anna Veith in Zukunft hoffentlich nicht mehr gefallen lassen. Vielmehr bleibt sie als selbstbewusste junge Frau in Erinnerung, deren sportliche Erfolgsbilanz mehr als beachtlich ist. „Meine Träume, die ich für die Zukunft habe, haben sich in den letzten Jahren verändert. Deshalb möchte ich meine aktive Skikarriere beenden“, meinte sie im Gespräch mit Alexandra Meissnitzer. Ihre Zukunftspläne seien noch nicht ganz klar. Dennoch sei ihr die Entscheidung zum Karriereende nicht schwer gefallen, genauso wie ihr der Einstieg in den Spitzensport seinerzeit nicht allzu schwer gefallen sei. Weggefährten und Weggefährtinnen sowie ihre Familie wünschten ihr in Videobotschaften alles Gute und zollten ihr Respekt. Angesichts der großen Wertschätzung zeigte sich Veith augesprochen berührt.

Foto: Insta Account Anna Veith

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Redaktion skionline

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