Weltcup Herren

AUCH DIE HERREN STARTEN DURCH

ARE, SWEDEN - MARCH 17: Marcel Hirscher of Austria competes during the Audi FIS Alpine Ski World Cup Finals Men's Giant Slalom on March 17, 2018 in Are, Sweden. (Photo by Alexis Boichard/Agence Zoom)

Der österreichische Nationalfeiertag beginnt in Sölden bei strahlendem Sonnenschein. Die Wetterprognose für die kommenden zwei Tage lässt allerdings noch Zweifel aufkommen, ob die Saison im Alpinen Skiweltcup an diesem Wochenende tatsächlich mit zwei Rennen gestartet werden kann. Nichtsdestotrotz sind die Vorbereitungen dafür längst getroffen, der Medienrummel ist wie jedes Jahr in Sölden groß und allerorts werden Prognosen für den kommenden Winter gewagt, auch wenn es im Oktober dafür freilich noch sehr früh ist.

Wie immer kommt Sölden auch vielen Athleten zu früh, die Skiindustrie indes sehnt den Winter-Start herbei. Die viel zu warmen Temperaturen und teilweise problematischen Bedingungen auf den Gletschern haben heuer die Vorbereitung zusätzlich erschwert. Trainingsläufe fielen kurz aus. „Den Ernstfall kann man also, wenn der Sommer so lange andauert, schwer simulieren“, sagte ÖSV-Damen-Rennsportleiter Jürgen Kriechbaum.

Die Skirennläufer sind in der kommenden Saison an 21 Orten aktiv. Sie dürfen sich auf zehn Spezialslaloms, je neun Abfahrten und Riesenslaloms, acht Super-G, zwei Kombis und ebenfalls drei Parallelrennen freuen. Gemeinsam mit den Damen geht es beim Weltcupfinale in Soldeu/Andorra im Teambewerb und für die Nationenwertung um den Sieg.

Ein Bewerb wird in diesem Winter letztmalig im Rennkalender aufscheinen. Die alpine Kombination wird nach der Saison im Weltcup ausgedient haben, neue Formate sollen in den Kalender aufgenommen werden, verstärkt werden dies Parallel-Rennen sein. Damit geht durchaus eine bedeutende Ära zu Ende, schließlich handelt es sich bei der alpinen Kombination gewissermaßen um die Mutter aller Bewerbe. Vor 90 Jahren fand in St. Anton am Arlberg die erste Arlberg-Kandahar-Kombination statt, eine Mischung aus Abfahrtslauf in Slalom. Dieser Bewerb wird als Gründungsereignis des alpinen Skirennsports angesehen. Die von Hannes Schneider und Arnold Lunn erdachte Kombination fand so großen Zuspruch, dass sie schließlich von der FIS anerkannt und 1936 auch als olympischer Wettkampf ausgetragen wurde.

In den letzten Jahren haben sich die Voraussetzungen so geändert, dass die Kombination dermaßen an Attraktivität verloren hat, dass sie nunmehr eingestellt wird. Der Trend zur Spezialisierung macht sich auch im alpinen Skirennlauf mehr und mehr bemerkbar. So ist es nicht verwunderlich, dass der dominierende Rennläufer der vergangenen Jahre, Marcel Hirscher, immer auf die technischen Disziplinen fokussiert hat. Hirscher geht im Riesenslalom als Titelverteidiger der kleinen Kristallkugel ins Rennen. Seine wichtigsten Kontrahenten werden aller Voraussicht nach auch heuer wieder Hendrik Kristoffersen und Alexis Pinturault sein. Beim Franzosen hat der Gewinn des Gesamtweltcups oberste Priorität, wie er bei der Pressekonferenz seines Ausrüsters Head bekräftigte.

Unter vielversprechenden Voraussetzungen nimmt der norwegische Skistar Aksel Lund Svindal die kommende Saison in Angriff. Das Knie braucht nach wie vor zwar eine Sonderbehandlung, es hielt im Training aber allen Belastungen stand. Vergangene Woche in Saas-Fee stand der Norweger sogar sieben Tage am Stück auf den Latten, das habe er seit drei Jahren nicht mehr geschafft. Den Riesentorlauf am Sonntag auf dem Rettenbachgletscher wird Svindal allerdings nicht fahren, die Konzentration gilt den Speeddisziplinen. „Ich plane den ganzen Winter, das ist Plan A. Aber es gibt auch Plan B und C. Es geht darum, wie es dem Knie geht“, sagte Svindal bei besagter Pressekonferenz.

Ein Abschied aus dem Skiweltcup steht bei Svindal wohl in nicht allzu ferner Zukunft aus, wie auch bei anderen großen Namen der Skiwelt – etwa Ted Ligety, Kjetil Jansrud, Felix Neureuther und unter Umständen auch dem nunmehrigen Vater Marcel Hirscher. Diese Namen werden dem Skizirkus fehlt, meint dazu Guido Heuber, ein langjähriger Beobachter und Kommentator des Weltcupgeschehens. Er vermisst bei den jungen Läufern etwas die Charaktere, jene, über die man auch abseits der Piste Geschichten erzählen und schreiben kann. In einer sich verändernden Medienlandschaft sind es aber gerade solche Geschichten, die auch junge Menschen für den Skisport begeistern können, also jene Zielgruppe, die mit einer sich völlig verändernden Medienwelt aufwachsen. Ein Rennläufer wie Manuel Feller spielt nach Heuber in dieser sich wandelnden Skiszene eine wichtige Rolle.

Quelle: APA

Text: Christof Thöny

Foto: Agence Zoom

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Redaktion skionline

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