Geschichte

Celina Seghi feierte ihren 100. Geburtstag

In der Toskana feierte vor zwei Wochen die mit Sicherheit älteste noch lebende Skiläuferin der Welt ihren 100. Geburtstag. Celina Seghi, die heute in Pistoia lebt, erfreut sich immer noch bester Gesundheit und empfängt Besucherinnen und Besucher in ihrer Wohnung, die auch so etwas wie ein kleines Museum des alpinen Skilaufs in Italien ist. Wenngleich das Land seit Wochen durch die Corona-Krise geprägt ist, fand der denkwürdige Geburtstag jener Skiläuferin, die 25 mal italienische Meisterin wurde (mehr als jede andere Athletin ihres Landes) dennoch auch mediale Beachtung.

Celina Seghi wurde am 6. März 1920 in Abetone geboren. Hier lernte sie in den Bergen der Toskana bereits als Kind das Skilaufen. Ihre Gefährten waren der drei Jahre ältere Vittorio Chierroni und der ebenfalls 1920 geborene Zeno Colo, letzterer der große Star des italienischen Skilaufs in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Ab der Mitte der 1930-er Jahre traten die drei bei nationalen und internationalen Skirennen in Erscheinung und wurden als die „Musketiere aus Abetone“ bekannt. Während Zeno Colo und Vittorio Chierroni bereits vor mehr als 25 Jahren verstorben sind, erzählt Celina Seghi immer noch in erstaunlicher geistiger Frische aus vergangenen Zeiten in den 1920-er und 1930-er Jahren, als sie mit den beiden Jungen aus Abetone um die Wette fuhr.

Als Fünfzehnjährige wurde die junge Rennläuferin aus Abetone 1935 erstmals italienische Jugendmeisterin. Eine Teilnahme an den Olympischen Winterspielen im darauffolgenden Jahr blieb ihr dennoch verwehrt. Nichtsdestotrotz machte sie bereits als Teenagerin bei zahlreichen nationalen Rennen auf sich aufmerksam. Da der Höhepunkt ihrer Karriere mit der Ära des Faschismus in Italien und dem Zweiten Weltkrieg zusammenfiel, blieb die Bilanz ihrer internationalen Erfolg freilich hinter mancher ihrer Nachfolgerinnen zurück. Bei den Weltmeisterschaften in Cortina d´Ampezzo 1941 besiegte Seghi im Slalom die deutsche Favoritin Christl Cranz. Zudem gewann sie die Silbermedaille in der Abfahrt wie auch in der Kombination. Da aufgrund des Zweiten Weltkriegs viele Nationen an diesen Bewerben nicht teilnehmen konnten, wurden die Weltmeisterschaften allerdings später von der FIS nicht gewertet.

Bei den Weltmeisterschaften in Aspen 1950 stellte sich doch noch der erhoffte Erfolg für Celina Seghi ein. Im Slalom sicherte sich die damals 30-jährige die Bronzemedaille hinter den beiden Österreicherinnen Dagmar Rom und Erika Mahringer. Die Reise in die Vereinigten Staaten war für alle europäischen Rennläuferinnen und -läufer damals etwas ganz Besonderes. Zeno Colo betrachtete nach der Ankunft in New York voller Verwunderung die ganzen Fernsehgeräte, die in Italien in jener Zeit praktisch noch unbekannt waren.

Nachdem sie noch an den Olympischen Spielen in Oslo 1952 und den Weltmeisterschaften in Aare 1954 teilgenommen hatte, beendete Celina Seghi Mitte der 1950-er Jahre ihre Karriere. Ihre Popularität in der Skiwelt Italiens ist bis heute ungebrochen geblieben, sie gilt als lebende Legende. Bei den Olympischen Spielen in Turin 2006 nahm sie als Ehrengast am Fackellauf teil. Bis weit über 90 Jahre stand sie noch auf Skiern und wurde zu zahlreichen Events eingeladen.

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Redaktion skionline

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