Geschichte

Cortina d´Ampezzo: Ein Wintersportort mit Geschichte

Mit Cortina d´Ampezzo wurde einer der traditionsreichsten Wintersportplätze Italiens für die Austragung der alpinen Skiweltmeisterschaften 2021 ausgewählt. Vor allem seit den Olympischen Winterspielen von 1956 stand der Ort im Ampezzo-Tal für den Glamour, der den Skisport jener Zeit zunehmend umwehte. Allerdings hatten schon zuvor zweimal Skiweltmeisterschaften in Coritna stattgefunden: 1932 und 1941, wobei vor allem die letzteren Titelkämpfe heute kaum mehr thematisiert werden, da sie unter den Fahnen der faschistischen Diktaturen in Italien und Deutschland stattgefunden hatten.

Mit dem Alpinismus setzte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Tourismus in der Region ein, als Cortina noch Bestandteil der Habsburgermonarchie war. Als erste Bergführer waren Mitglieder der Familie Lacedelli tätig, die auch im 20. Jahrhundert bedeutende Sportpersönlichkeiten hervorbrachte. Schon in der Zeit des Fin de Siècle galt Cortina als mondäner Tourismusort, in dem eine Sektion des Deutsch-Österreichischen Alpenvereins bestand. Der 1903 gegründete Ski Club Ampezzo trug vor allem zur Verbreitung des neu aufkommenden Skisports bei der einheimischen Bevölkerung bei. In der Zwischenkriegszeit entdeckten die Größen des faschistischen Italiens die Vorzüge Cortinas, wo zahlreiche neue Villen entstanden.

In die Zeit des Faschismus fielen auch die ersten beiden großen Sportveranstaltungen mit internationalem Charakter. Die FIS-Meisterschaften, die im Februar 1932 in Cortina stattfanden, werden heute als zweite alpine Skiweltmeisterschaften gelistet. Damals fanden für Damen und Herren jeweils eine Abfahrt und ein Slalom statt, die gemeinsam als Kombination gewertet wurden. Der Gewinn derselben galt als prestigeträchtigster Sieg. Schon neun Jahre später stand Cortina erneut im Fokus der Skisportwelt, als 1941 – während des Zweiten Weltkriegs – wiederum Weltmeisterschaften veranstaltet wurden. Bei diesen stand die Propaganda der verbündeten faschistischen Länder Italien und Deutschland im Mittelpunkt. Darüber hinaus nahmen nur Athletinnen und Athleten aus Bulgarien, Finnland, Schweden, Norwegen, Jugoslawien, Rumänien, Schweiz und Ungarn teil. Beim FIS-Kongress von 1946 wurden die Weltmeisterschaften aufgrund der politischen Umstände für ungültig erklärt, alle Medaillen verloren offiziell ihre Gültigkeit.

Unter wesentlich besseren Vorzeichen standen die Olympischen Winterspiele 1956, die erste Veranstaltung dieser Art, die in Italien stattfand. Erstmals wurden die Bewerbe im Fernsehen übertragen, ein wichtiger Schritt in der Mediatisierung des Wintersports. Für Österreich waren diese Winterspiele von besonderer Bedeutung. Vor allem die Erfolge Toni Sailers trugen maßgeblich zur Entwicklung eines Nationalbewusstseins der Zweiten Republik bei. Schließlich hatten erst ein Jahr zuvor die Besatzungsmächte Österreich offiziell in die Unabhängigkeit entlassen. In Cortina selbst lösten die Olympischen Spiele einen massiven Investitionsschub aus, der zum Ruf als glamourösem Wintersportort massiv beitrug. In den 1960er und 1970er Jahren stellten sich internationale Filmstars ein und das Ampezzo-Tal wurde immer wieder zum Filmkulisse, nicht zuletzt auch für den in der James-Bond-Reihe erschienenen Titel „In tödlicher Mission“.

Nach der Einführung des alpinen Skiweltcups etablierte sich Cortina d´Ampezzo mit der Austragungs von Abfahrtsrennen. Seit 1993 finden auf der „Trofana“ regelmäßig Damenrennen statt, wobei die landschaftlichen Vorzüge der Bergwelt der Region entsprechend in Szene gesetzt werden. Die Infrastruktur allerdings galt lange Zeit als etwas in die Jahre gekommen, nachdem eine Olympiabewerbung für 1988 nicht erfolgreich gewesen war und entsprechende Modernisierungen ausblieben. Die nun stattfindende WM und die Tatsache, dass Cortina 2026 Austragungsort der alpinen Bewerbe bei den Olympischen Spielen sein wird, hat nunmehr für kräftige Investitionen gesorgt. Mit staatlicher Unterstützung wurden 95 Millionen Euro in die Erneuerung der Infrastruktur Cortinas gesteckt.

 

Foto: dolomiti.org

 

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Redaktion skionline

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