Weltcup Herren

Eine große Karriere geht zu Ende

Eigentlich hätte der WM-Riesenslalom am kommenden Freitag sein großes Abschlussrennen werden sollen. So hatte es Ted Ligety geplant, als er vor einigen Tagen seinen Rücktritt vom aktiven Skirennsport angekündigt hatte. Heute musste er jedoch bekanntgeben, dass er gesundheitsbedingt nicht mehr an den Start gehen werde können. Gestern sei er mit den schlimmsten Rückenschmerzen seines Lebens aufgewacht, teilte der US-Amerikaner auf seinen Social-Media-Kanälen mit. Damit verlässt mit dem heutigen Tag einer der großen alpinen Skirennläufer der vergangenen eineinhalb Jahrzehnte die Bühne des alpinen Skiweltcups. Mit seiner unnachahmlichen Technik, seinen Erfolgen und der Art und Weise, seine Meinung offen kundzutun, hatter er diesem Sport in den letzten Jahren seinen Stempel aufgedrückt.

Der 1984 in Salt Lake City (Utah) geborene Ligety war als Teenager Vorläufer bei den Olympischen Winterspielen 2002, die in seiner Heimat stattfanden. Vier Jahre später gewann er im immer noch jungen Alter von 21 Jahren seinen ersten großen Titel, die Goldmedaille in der Kombination bei den Olympischen Winterspielen von Turin. Zu diesem Zeitpunkt hatte er noch nicht einmal einen Kopfsponsor, weshalb er sich mit dem Schriftzug „Mom and Dad“ bei seinen Eltern für ihre Unterstützung bedankte. Für die USA, wo der Gewinn von Titeln bei Großereignissen in sportlicher Hinsicht über allem steht,  verlief seine Karriere in weiterer Folge perfekt. Nach WM-Bronze in Val d´Isère 2009 wurde er zwei Jahre später in Garmisch-Partenkirchen erstmals Weltmeister. Besonders erfolgreich verließ er 2013 die Skiweltmeisterschaften von Schladming mit drei Goldmedaillen. Ein Jahr später konnte er im russischen Sotschi seine zweite olympische Goldmedaille gewinnen. Gold und Bronze waren schließlich auch noch 2015 bei seiner Heim-WM in Beaver Creek die Bilanz.

Mit 24 Siegen im Riesenslalom ist Ted Ligety der dritterfolgreichste Rennläufer in dieser Disziplin, er liegt dabei nur hinter Ingemar Stenmark und Marcel Hirscher zurück. Nach der Einführung einer schmaleren Taillierung der Carvingski 2012 war er zwar ein scharfer Kritiker dieser Materialveränderung, dennoch kam er mit der Umstellung am besten zurecht. In der folgenden Saison dominierte er die Konkurrenz praktisch nach Belieben und fuhr Siege mit riesigen Zeitvorsprüngen ein. Sein schärfster Konkurrent sollte in den folgenden Jahren Marcel Hirscher werden. Durch die offene Art, seine Meinung zu sagen, eckte Ligety in dieser Zeit auch einige Male beim österreichischen Publikum an.

Bedingt durch seine gesundheitlichen Probleme konnte er in der zweiten Hälfte der 2010er Jahre nicht mehr ganz an seine früheren Erfolge anschließen. Vor allem der Rücken machte ihm immer wieder Probleme – er übernahm zunehmend „die Kontrolle über das Skifahren“, wie Ligety es in einem Rücktrittsstatement formulierte. Dass er immer noch konkurrenzfähig war, beweist etwa ein fünfter Rang in der Kombination der Olympischen Winterspiele von Pyongcheng 2018. Allerdings veränderten sich seine Prioritäten auch im privaten Bereich. Mittlerweile ist der Rennläufer dreifacher Vater. Mit seinen Kindern zu spielen und Ski zu fahren stehe nun auf seiner Agenda, verkündete Ligety, wobei er sich vor allen Dingen darauf konzentrieren wolle, seine Gesundheit wieder vollständig unter Kontrolle zu bringen.

 

Foto: Agence Zoom

 

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Redaktion skionline

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