Geschichte

Geschichte der Skirennen in Adelboden

Gleich drei Weltcuprennen stehen an diesem Wochenende auf dem Chuenisbergli in Adelboden an. Längst genießen diese Rennen im Berner Oberland Kultstatus, vor allem der Riesenslalom zieht jährlich im Jänner zehntausende Menschen an, die für eine beeindruckende Kulisse sorgen. Der Grundstein für diese Entwicklung wurde schon vor der Einführung des Alpinen Skiweltcups gelegt, als vor 65 Jahren erstmals die Internationalen Adelbodner Skitage stattfanden. Ihr Erfinder war der Kurdirektor Dr. Fred Rubi, der zuvor ein erfolgreicher Schweizer Skirennläufer gewesen war. Anlässlich des Adelboden-Wochenendes soll hier ein kurzer Blick in die Geschichte erfolgen.

Aus einer bekannten Wengener Skifamilie entstammend, schaffte der 1926 geborene Rubi im Alter von 17 Jahren bereits Spitzenleistungen beim Lauberhornrennen, als er in der Abfahrt den zweiten Rang erreichte und im Slalom sowie der Kombination Dritter wurde. 1950 gelang ihm mit dem Sieg in der Abfahrt, der Kombination sowie dem erstmals ausgetragenen Riesenslalom in Wengen der größte Erfolg seiner Karriere. 20 Jahre zuvor hatte sich sein Vater Christian Rubi zum ersten Sieger einer Lauberhornabfahrt gekürt. Bei den alpinen Skiweltmeisterschaften in Aspen war Fred Rubi durch eine Verletzung beeinträchtigt. Wesentlich erfolgreicher nahm er an den Olympischen Spielen 1952 in Olso teil, wo er als Vierter in der Abfahrt nur knapp eine Medaille verpasste.

Beim Training für die Skiweltmeisterschaft in Aare 1954 stürzte er schwer und musste in weiterer Folge seine Karriere beenden. Noch im selben Jahr wurde er zum Kurdirektor von Adelboden berufen. Um den Ort bekannter zu machen, lud er 1956 ehemalige Kollegen aus dem Rennzirkus zu den Internationalen Adelbodner Skitagen ein. 36 Teilnehmer aus verschiedenen Nationen standen am Start, wobei der Japaner Chiharu Igaya überraschend den Sieg einfuhr. Den zweiten Slalom am folgenden Tag entschied der Schweizer Georges Schneider für sich.

In den folgenden Jahrzehnten wurde die Entwicklung des Rennens von Fred Rubi geprägt, der auch durch seine politische Tätigkeit über ausgezeichnete Beziehungen verfügte. Er war Gemeinderat und Gemeindepräsident von Adelboden und von 1967 bis 1987 Mitglied des Schweizer Nationalrats. Sein autoritatives Vorgehen im Erreichen seiner Ziele ist bis heute Inhalt zahlreicher Anekdoten. 1967 wurde der Riesenslalom in Adelboden erstmals im Rahmen des FIS Weltcups durchgeführt, der Grundstein für den heutigen Klassiker.

Die folgenden Jahrzehnte waren geprägt von Innovationen und teilweise ungewöhnlichen Maßnahmen. 1975 wurden beispielsweise 120.000 Liter Wasser in Milchkannen mit der Sesselbahn auf die Tschentenalp gebracht, um die Piste zu präparieren. Mehrere Male musste das Rennen wegen Schneemangels abgesagt werden. 1998 und 2003 konnte es dank des Transports von hunderten Lastwagenlandungen Schnee vom Gimselpass und von Geils gesichert werden.

Das Schweizer Fernsehen übertrug die Rennen 1982 erstmals live. Im folgenden Jahr konnte es von drei Schweizern gewonnen werden: Pirmin Zurbriggen siegte vor Max Julen und Jacques Lüthi, sehr zur Freude des einheimischen Publikums, das schon damals mit rund 5.000 Menschen sehr zahlreich war. 1989 hätte die FIS Adelboden beinahe aus dem Weltcupkalender gestrichen. Das konnte jedoch durch Interventionen verhindert werden. Als 1995 ein neues Organisationskomitee die Leitung übernahm, wurde ein neues Konzept mit Tribüne und VIP-Zelt entwickelt. Damit wurde auch der Unterhaltungswert gesteigert und jene Kulisse geschaffen, welche die Rennen in Adelboden bis heute auszeichnet. Im heurigen Jahr muss aufgrund der Corona-Pandemie leider darauf verzichtet werden, dennoch dürfen wir hoffen, dass die Rennläufer im nächsten Jahr wieder vor voller Tribüne den beeindruckenden Steilhang bewältigen werden können.

 

Foto: Skiweltcup Adelboden

Quelle: www.weltcup-adelboden.ch

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Redaktion skionline

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