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Melanie Meillard ist zurück auf dem Schnee und Ein Interview im Februar

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Am 07. Juli 2020 haben wir sie entdeckt: Auf Instagram zeigt sich Melanie Meillard auf dem Matterhorn-Gletscher und … mit Skiern.

Ihr eigener Kommentar dazu: „Nach mehreren Monaten körperlichen Trainings, die gut verlaufen sind, stehe ich wieder auf Skiern. Zwei tolle Tage mit viel Gefühl und einem tollen Knie. Bereit für den nächsten Schritt“.

Das ist eine gute Nachricht, über die wir uns sehr freuen. Auch weil Melanie gemeinsam mit ihrem Bruder Loic Meillard nicht nur zu den grössten Nachwuchshoffnungen der Schweiz gehört, sondern auch, weil beide als Botschafter für Longines unterwegs sind.

Bereits vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie konnte Elina Kalela von skionline Melanie Meillard in einem persönlichen Interview zu einigen interessanten Statements bewegen. Das Interview fand kurz vor dem überraschenden Saisonende statt, zu einem Zeitpunkt, an dem sich Melanie jedoch schon für das Saison-Aus 2019/2020 entschieden hatte, da sie nach ihrer schweren Knieverletzung vor zwei Jahren kaum in eine akzeptable Weltcup-Form gekommen war.

Hier das Interview aus dem Februar 2020:

skionline: Melanie, es ist jetzt fast zwei Jahre her, als du dich schwer am Knie verletzt hast. Kannst du diese Verletzung noch einmal schildern und uns sagen, wie jetzt der Stand der Dinge ist?

Melanie Meillard: „Aktuell stehe ich gut auf dem Knie. In den letzten zwei Jahren hatte ich oftmals starke Schmerzen, aber seit etwa sechs Monaten ist alles deutlich besser und ich kann gut trainieren. Und das ist gut so.“

skionline: „Was genau war im Knie kaputt gegangen?“

Melanie Meillard: „Es war ein Kreuzbandriss, der Aussen-Meniskus war angerissen und der Meniskus selbst war herausgerutscht. Dazu kam eine minimale Fraktur, die jedoch nicht so schlimm war. Da musste auch an den Knochen nichts geschraubt oder genagelt werden.“

skionline: „Wie viele Operationen musstest du danach über dich ergehen lassen?“

Melanie Meillard: „Nach der ersten Operation gab es nocheine weitere, also insgesamt zwei Operationen.“

skionline: „Wenn es um die Ausheilung geht spricht man bei Leistungssportlern immer auch von der Reha. Allerdings wissen ganz normale Leute gar nicht, was unter einer solchen Rehabilitation zu verstehen ist. Wieviel Stunden hast d da am Tag gearbeitet und wie lange hat das überhaupt gedauert? Kannst du dazu ein wenig sagen?“

Melanie Meillard: „Diese Reha hat mich viel Zeit und einigen Kraftaufwand gekostet. Anfangs bin ich an sechs Tagen in der Woche zur Physiotherapie gegangen. Am Anfang immer nur ein paar Minuten und später dann bis zu knapp einer Stunde. Dann zu Hause immer ein wenig Fitness-Training, aber immer streng nach den Empfehlungen meines Arztes. Mit der Zeit habe ich dann auch Krafttraining vor allem für den Oberkörper gemacht. Beim Training für die Beine war ich immer sehr vorsichtig und habe da zuerst ein wenig probiert, was geht, vor allem in Sachen Stabilität. Dabei musste ich natürlich immer auch sehen, wie es mit dem Knie geht.“

skionline: „Wie bist du in dieser ganzen Zeit mit den Schmerzen umgegangen? Hast du da viele Schmerzmittel genommen oder hat sich das mit der Physiotherapie einstellen lassen?“

Melanie Meillard: „Ausser im Spital bei den Operationen habe ich sonst keine Schmerzmittel genommen. Selbst das, was man mir nach den Operationen mitgegeben hatte, habe ich letztlich nicht genommen. Ich wollte die Schmerzen nicht einfach so ausschalten, weil ich ja dann auch gar nicht so genau weiss, was wirklich ist. Schmerzen sind ja immer auch ein Signal des Körpers dafür, dass irgendetwas nicht passt.“

skionline: „Und wie lange hat das gedauert, bis du mit der Reha wieder in einen halbwegs normalen Zustand gekommen bist. Waren das drei Monate oder sechs Monate?“

Melanie Meillard: „Nach der ersten Operation dauerte es sehr lang, bis ich das Bein wieder etwas normal belasten konnte. Wir haben da viel probiert, aber es wurde lange nicht besser. Nach der zweiten Operation waren es wohl weniger als drei Monate, dann war es eigentlich wieder gut. Zumindest in der normalen Belastung.“

skionline: „Nach diesem zweiten Abschnitt bist du ja wieder auf die Ski gestiegen. Wie ist das eigentlich, wenn das Knie praktisch neu gemacht ist? Musstest du da wieder alles neu lernen oder wie ging das dann mit dem Skifahren?“

Melanie Meillard: „Am Anfang ist das schon ein komisches Gefühl und man weiss gar nicht so genau, wie man eigentlich fahren soll. Du triffst die kurven nicht richtig und fühlst dich immer etwas krakelig. Wenn du dann siehst, was gut ist, dann wird das auch wieder routinierter und besser. Es ist schön , wieder zurück auf dem Ski und auf dem Schnee zu sein.“

skionline: „Hast du jetzt schon wieder zu einhundert Prozent Vertrauen in dein Knie und würdest du das jetzt auch wieder rennmässig voll belasten? Oder hast du da im Kopf immer noch so eine Blockade oder schlechte Gedanken?“

Melanie Meillard: „Ich denke nun nicht mehr an die Verletzung aber manchmal kommt so ein Gedanke schon einmal zurück. Aber wenn ich auf dem Ski stehe denke ich gar nicht mehr daran. Ich glaube, ich fahre auf dem operierten Knie jetzt sogar schon besser, als auf dem anderen. Nur wenn es einmal sehr schnell wird oder die Piste nicht so gut präpariert ist, denke ich schon, dass ich ein wenig aufpassen sollte.“

skionline: „Aber Schmerzen hast du dabei keine mehr?“

Melanie Meillard: „Mittlerweile kann ich wieder alle Pisten fahren, das ist kein Problem. Es gibt aber auch Tage, da habe ich Schmerzen und weiss gar nicht so richtig warum. Und an anderen Tagen ist alles wieder gut. Ich glaube nicht, dass ich einfach so machen kann, was ich will. Ich muss schon ein wenig daran denken, nicht zu viel zu machen, sondern immer auch gute Pausen einzulegen. Aber insgesamt geht es schon gut, auch wenn ich noch nicht ganz schmerzfrei bin. Es ist schon viel besser.“

skionline: „Wie hast du deine Rückkehr zurück in das Leben einer Ski-Rennfahrerin erlebt, ging das nach Plan oder hast du da etwas provisiert?“

Melanie Meillard: „Also meine Rückkehr zurück in die Rennen ist ja nicht so gelaufen wie das manche, auch ich selbst, gedacht hatten. Eigentlich fahre ich momentan nur für den Kopf und als Training für den Körper. Auf jeden Fall war es gut, wieder am Start zu stehen.“

skionline: „Woher nimmst du die Motivation für diese harte Arbeit auf diesem langen Weg?“

Melanie Meillard: „Die Motivation kommt vom Skifahren selbst. Ich weiss, ich trainiere auch für die Teilnahme und den Erfolg in den Rennen. Wenn das nicht genug Motivation ist, dann weiss ich auch nicht. Ich will Rennen fahren und das ist meine Motivation.“

skionline: „Welches Team hast du in dieser Zeit der Reha um dich herum gehabt?“

Melanie Meillard: „Ja ganz wichtig waren da die Physiotherapeuten und Kombitrainer. Mentalcoaches habe ich nicht gehabt. Und die habe ich auch nicht gebraucht. Ich wollte es so probieren und denke, dass das auch gut gelaufen ist.“

skionline: „Wie sehen nun deine Pläne für die nächsten Monate aus. Wirst du in Sölden am Start stehen oder wie sehen die nächsten Wochen bei dir aus?“

Melanie Meillard: „Ja, ich trainiere aktiv und will auch in Sölden am Start sein und auch die ganze nächste Saison aktiv mit dabei sein.“

skionline: „Vielen Dank Melanie für die interessanten Einblicke und Ausblicke.“

Melanie Meillard.“ Gerne und ebenso vielen Dank für das Interesse!“

Wie bereits bemerkt wurde dieses Interview im Februar 2020 vor dem plötzlichen Saison-Aus aufgrund der Corona-Krise geführt.

 

Text: skionline

Quelle: Instagram Account Melanie Meillard

Interview: skinoline Elina Kalela mit Melanie Meillard zum Longines Frühstück in Crans Montana, Februar 2020

Bild: Instagram Account Melanie Meillard

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Redaktion skionline

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