Corona_Blog Weltcup Herren

Skirennsport und die Komplexität der Corona-Welt

Gibt_es_in_Corona-Weltcups_eine_erhöhte_Verletzungsanfälligkeit

Der FIS Alpine Skiweltcup der Herren findet am nächsten Wochenende im Berner Oberland seine Fortsetzung. Die Schweizer Gesundheitsbehörden haben die Rennen in Wengen unter besonderen Auflagen genehmigt. „Erster Trainingstag ist Dienstag“, bestätigte FIS-Männer-WCRenndirektor Markus Waldner am Sonntagnachmittag in Adelboden.

Die Region Bern gehört wie die gesamte Schweiz derzeit zu den europäischen Gebieten mit den höchsten Covid-Infektionszahlen. Der 7-Tage-Index liegt in der ganzen Region über 200 und es gibt nachgewiesene Fälle der neuen Mutation von Covid-19. Derzeit sind 10-15% aller getesteten Personen in der Region positiv. Auch die Situation in den Krankenhäusern der Region ist weiterhin angespannt. Die FIS ist sehr zuversichtlich, dass die Prozesse und Sicherheitsmaßnahmen im Zusammenhang mit der Covid-19-Prävention funktionieren und die Athleten trotz der sehr hohen Anzahl infizierter Personen in der Region nicht einem Gesundheitsrisiko ausgesetzt werden. In Bayern, etwa 350 km östlich von Wengen, ist es per Gesetz verboten, in/aus einer Region mit 7-Tage-Index über 200 zu reisen. Eine Bundesligaspiel würde woanders ersetzt. Wegen hohe gesundheitlichen Risikos.

Die strengen Präventionsprozesse machen einen großen Unterschied zum Alltag der Athleten auf der Weltcup-Tour. Exzessive Tests, strenge Reisevorschriften usw. All dies führt zu einem zusätzlichen Stressfaktor und weniger Regenerationszeit zwischen den Rennen. Es ist nicht möglich, genaue Informationen über die indirekten gesundheitlichen Auswirkungen all der zusätzlichen Covid-Routinen auf die Rennfahrer in der Weltcup zu haben.

Einer der führenden europäischen Spezialisten für Kniechirurgie, Dr. Christian Hoser (Gelenkpunkt, AUT), sagte 2018 in einem Interview mit skionline, dass er glaubt, dass zu kurze Regenerationszeiten das Risiko von Knieverletzungen erhöhen. Basierend auf dieser Logik könnte man sagen, dass es zumindest eine starke Möglichkeit gibt, dass eine der indirekten Auswirkungen des Corona-Weltcups eine erhöhte Verletzungsanfälligkeit aufgrund der fehlenden Regenerationszeiten sein könnte. Die Zeit wird zeigen, ob dieser Corona-Winter die Zahl der Verletzungen und Unfälle auf der Weltcup-Tour punktuell erhöhen wird. Nach diesem ersten Januarwochenende fühlt es sich auf jeden Fall so an.

Sicher ist, dass auch das Reisen in Corona-Europa extrem schwierig ist. Flugzeuge fliegen nicht mit den Frequenzen, die wir gewohnt sind, und die Zielorteauswahl wurde erheblich zusammengestrichen. Daraus ergibt sich zumindest ein ganz konkretes Problem für WC-Fahrer: Im Falle einer Verletzung wird es eine Herausforderung sein, den Athleten zur sofortigen Behandlung an seine Heimat zu bringen. Es gibt im Moment einfach keine täglichen Flüge zwischen den europäischen Hauptstädten. Auf diese Herausforderung hat der Teamarzt der Norwegischer Alpin-Herren am vergangenen Wochenende in Adelboden hingewiesen, als sich mehrere Athleten seines Teams verletzt haben.

Viele Athleten (z.B. die weltbesten Skilangläufer) haben bereits die Entscheidung getroffen, sich aus gesundheitlichen Gründen von großen Sportveranstaltungen in diesem Covid-Winter zurückzuziehen. Bislang war der alpine Skirennsport eine der wenigen Disziplinen, bei denen die meisten Athleten dabei sind. Die große Frage bleibt, ob die Weltmeisterschaften in Cortina unter diesen Umständen stattfinden werden oder nicht. Und wenn ja, mit welcher Art von Beteiligung? Wie werden die Coronaregelungen in Cortina/EU den Athleten, die außerhalb der Weltcupteams und außerhalb Europas kommen, überhaupt die Einreise in die EU oder die Rückkehr in ihre Heimatländer nach der Veranstaltung ermöglichen? Oder sind diese Athleten überhaupt notwendig, um die Weltmeisterschaften durchzuführen? Wir drücken die Daumen dass es Faire Lösungen geben wird. WM-Cortina wäre das erste Globale Sportereignis in Europa seit Beginn der Covid-19-Pandemie. Und würde auch das einzige bleiben – viele andere wurden abgesagt. Gleichzeitig blickt die Welt auf eine nie dagewesene Absage der olympischen Sommerspiele in Tokyo. Selbst die Olympischen Winterspiele, die in 12 Monaten in Beijing, China beginnen sollen, sind zu diesem Zeitpunkt ein großes Fragezeichen.

Quelle: Kanton Bern, SZ, south china morning post

Foto: Agence Zoom

 

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Elina Kalela

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