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Weltcup-Auftakt in Sölden ohne Liensberger

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Der alpine Weltcup-Auftakt in Sölden findet doch ohne Katharina Liensberger statt. Die für den Riesentorlauf am Samstag nominierte Vorarlbergerin hat den notwendigen Ausrüstervertrag mit Rossignol noch immer nicht unterschrieben und kann daher nicht an den Start gehen. Liensberger hat noch bis 15. November Zeit für die Vertragsunterzeichnung. Ihr Ersatz in Sölden ist Nadine Fest.

Liensberger hat im Sommer einen Skimarkenwechsel vom Rossignol zu Kästle vorgenommen, allerdings hat die Zweitbeste Riesenslalomfahrerin Österreichs (weil Veith und Brunner verletzt sind) keinen gültigen Skischuh-Vertrag. Zuletzt durfte Liensberger zwar auf  Rossignol-Material mit dem ÖSV-Team mittrainieren, die Rennerlaubnis für Sölden bekam sie letztlich aber doch nicht. Dazu hätte die Göfnerin bis Mittwoch 12.00 Uhr einen Zweijahres-Vertrag mit Rossignol unterzeichnen müssen.

„Sie hat bis heute 12.00 Uhr nicht die notwendigen Ausrüstungsverträge beim Austria Ski Pool vorgelegt. Daher kann ihr der ÖSV beim Weltcup-Riesentorlauf, am Samstag, 26. Oktober 2019 in Sölden keinen Startplatz gewähren“, erklärte ÖSV-Sportdirektor Toni Giger in einer Verbands-Aussendung. „Sobald der Ausrüstungsvertrag dem Austria Ski Pool vorliegt, wird der ÖSV sie für die kommenden Weltcup-Rennen nominieren“, ergänzte Giger.

Für Sölden ist es sich aber nicht mehr ausgegangen. Warum Liensberger die Frist verstreichen hatte lassen, war unklar, weil die Rennläuferin für den ÖSV am Mittwoch nicht erreichbar gewesen sei, erklärten Giger und Pool-Geschäftsführer Reinhold Zitz. Auch nicht klar ist warum es ein Zweijahres Vertrag statt eines Einjahres Vertrages  sein muss. Anscheinend könnte Liensberger eventuell doch noch nächste Saison Interesse an einer Zusammenarbeit mit der Firma Kästle haben, wenn passende Skischule ein Teil der Abmachung wären.

Sport-Gigant Rossignol zeigt kein großes Interesse an einer sportlichen Lösung in Causa Liensberger. Das Thema dreht sich seit Monaten im Kreis. Ski-Ausrüsterverträge sind eine der wichtigsten Einnahmequellen (bis zum 50% von Gesamteinnahmen) für Athleten. Aus diesem Grund sind die Vertragsverhältnisse sehr wichtig für die Athleten. Rossignol, deren Haupteigentümer ein Norwegischer (Altor) und Chinesischer (IDG Capital) Fond sind,  hat im Jahr 2017 einen Umsatz von 345 Millionen Euro generiert. Ein Athletenvertrag ist weniger als eine halbe Promille vom Jahresumsatz.

Unangenehm ist das Situation auch für ÖSV:  „Ich habe gehofft, dass das alles bis heute geklärt ist. Aber sie war nicht erreichbar für mich“, erklärte Giger. Aus seiner Sicht stehe die Tür aber weiter offen. „Sobald sie unterschreibt, ist alles okay. Aber Sölden ist erledigt.“ Giger hofft intensiv, dass die Sache bald geklärt ist. „Sie ist ja eine Topläuferin (nr 8 in SL & nr 18 in RS auf den FIS Ranking), wir haben deshalb überdurchschnittlich investiert in Kathi. Wir halten viel von ihr sie hat eine große Zukunft.“ Er sei von den aktuellen Ereignissen weniger überrascht, eher frustriert, so Giger. „Wir haben uns doch sehr dafür eingesetzt, dass das auf Schiene kommt. Und wir sind weiter um sie bemüht, die Tür steht offen. Aber sie braucht einen Ausrüstungsvertrag, damit sie Rennen fahren kann. Derzeit liegt der Ausrüstungsvertrag nicht vor, deshalb kann sie nicht fahren.“

Es sieht aus ob ÖSV Pool das Situation als ein Machtkampf vorgestellt hätte. „Offenbar hofft Liensberger, dass der ÖSV wenige Tage vor Sölden in die Knie geht“, mutmaßte Zitz (ÖSV Pool-Geschäftsführer), der noch am Mittwoch den Poolvertrag mit Kästle mit Wirksamkeit 30. 4. 2021 kündigte, um klare Verhältnisse zu schaffen. „Damit haben wir nun eine komplett neue Ausgangsposition“, sagte der langjährige Pool-Geschäftsführer, und machte ein Zusammenfassung: „So etwas wie diesen Fall habe ich in 30 Jahren noch nicht erlebt.“

Diese „Glückliche“ 30-Jährige Zeiten sind endgültig vorbei – solche Fällen werden wir sicher zunehmend in kommende Jahren sehen. Skisport in Europa hat keine Wachstum. Rossignol, wie auch andere Skifirmen, sucht Wachstum in China (mit 1 Milliarden Euro jährliche Skimarkt am 2025), wo Rossignol bis 2022 100MEUR mehr jährliche Umsatz generieren will. Durch Chinesischer IDG Capital (20% Aktionäre in Rossignol und Innhaber Infronts) sucht Rossignol unter anderen neue chinesische Ski-Stars, die sie unter Vertrag für Vermarktung stellen könnten. Damit werden europäische Ski-Stars klar ihren Vermarktungswert verlieren. Vertragsverlängerung und Handlungen zwischen einzelne europäische Weltcup Athleten und multinationale Börsen-Unternehmen werden zunehmend schwieriger. Gemeinsame Interessen und Ziele sind einfach weg.

Quelle: APA, ÖSV, Les Echos

Foto: Agence Zoom

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Elina Kalela

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