Olympics

Wussten Sie, dass seit 82 Jahren alpine Skirennen bei Olympischen Spielen ausgetragen werden?

Gretchen Fraser, a housewife of Vancouver, Wa., is all smiles, February 4, 1948, after placing second in the Women's Alpine combined ski test, at St. Moritz, Switzerland. By placing second, Gretchen accomplished something no American ever had done before winning a medal in an Olympic skiing event. (AP Photo)

Der Alpine Skirennlauf feiert 2018 das 90-jährige Jubiläum seines Bestands. 1928 fanden in St. Anton am Arlberg die ersten Arlberg-Kanadahar-Rennen statt, benannt nach den veranstaltenden Vereinen, dem Skiclub Arlberg und dem Kandahar Skiclub. Ein Jahr vorher hatte der britische Skipionier Arnold Lunn (später zum „Sir“ geadelt) Hannes Schneider und seiner Skischule in St. Anton einen Besuch abgestattet. Nach einem Slalom, den Lunn für die Jugend des Ortes spontan ausgeflaggt hatte, entstand die Idee der Alpinen Kombination namens Arlberg-Kandahar, die den Grundstein für die Entwicklung des Alpinen Skirennsports bildete.

Der Beharrlichkeit des Briten Lunn war es auch zu verdanken, dass sich die alpinen Disziplinen auf internationaler Ebene durchsetzen konnte. Beim elften FIS-Kongress in Oslo wurden im Februar 1930 der Abfahrts- und Slalomlauf in die Wettlaufordnung des Internationalen Skiverbands aufgenommen, obwohl sich die Skandinavier bisher immer strikt dagegen ausgesprochen hatten, da sie auf „ihre“ nordischen Disziplinen pochten. Folglich wurden 1931 im schweizerischen Mürren, von wo aus Lunn seine Tätigkeit entfaltete, die ersten alpinen FIS-Wettkämpfe durchgeführt, die später rückwirkend als erste Alpine Skiweltmeisterschaften gelistet wurden. An diesen beteiligten sich Rennläuferinnen und -läufer aus sieben Nationen, darunter auch Australien.

In weiterer Folge stellte sich die Frage nach der Aufnahme der alpinen Disziplinen in den Kanon der olympischen Sportarten. Seit 1924 gab es Olympische Winterspiele, nachdem die Internationale Wintersportwoche, die in jenem Jahr in Chamonix stattgefunden hatte, zwei Jahre später nachträglich zu den I. Olympischen Winterspielen erklärt worden waren. 1934 beschloss die FIS bei ihrem Kongress im schwedischen Solleftea, den alpinen Skisport olympisch werden zu lassen, was vom Internationalen Olympischen Komitee schließlich genehmigt wurde. Damit standen bei den Winterspielen 1936 in Garmisch-partenkirchen erstmals eine Abfahrt und ein Slalomlauf im Programm, wobei Medaillen – im Gegensatz zu den Weltmeisterschaften – nur in der Kombination vergeben wurden. Im Vorfeld war es zu Unstimmigkeiten gekommen, weil Skilehrer vom IOC als Profis angesehen und deshalb von einer Teilnahme ausgeschlossen wurden. Die Schweiz und Österreich boykottierten aus diesem Grund die Herrenwettbewerbe. Vier der sechs vergebenen Medaillen gingen an Deutschland, was dem vom NS-Regime beherrschten Veranstalterland und seiner Propaganda sehr gelegen kam.

Mit der Durchführung alpiner Bewerbe bei Olympischen Spielen setzte ein Prozess ein, der sich 1948 in St. Moritz erstmals deutlich zeigte. Nachdem bis in die 1930-er Jahren vor allem Skilehrer als Stars und Idole in der Skiwelt angesehen wurden, lösten nunmehr Rennläuferinnen und -läufer sie in dieser Funktion ab.  Der erste „Star“ der Rennlaufszene war in dieser Hinsicht Christl Cranz, die von der NS-Propaganda auch als solcher vermarktet wurde. In St. Moritz wurden 1948 sechs alpine Bewerbe ausgetragen. Für diese wurden auch Weltmeisterschaftsmedaillen vergeben, da die Spiele – wie auch die nachfolgenden – auch als Weltmeisterschaften gezählt wurden. In Österreich ist mit diesen Winterspielen eine „Verwestlichung“ des Sports auszumachen. Während sich die mediale Öffentlichkeit bis in die 1930-er Jahre vor allem auf den Osten des Landes und Sportarten wie Fußball konzentrierte, rückten nunmehr die Skistars aus den westlichen Bundesländern in den Fokus. Dem alpinen Skirennlauf wird ein großer Beitrag zum „nation building“ der Zweiten Republik beigemessen, allen vor den drei Goldmedaillen, die Toni Sailer bei den Olympischen Spielen 1956 in Cortina d´Ampezzo gewann. St. Moritz sah mit Gretchen Fraser auch die erste alpine Olympiasiegerin aus den USA. Gerade in diesem Land haben Olympiamedaillen bis heute einen ungeheuren Stellenwert – was Sportlerinnen und Sportler auch immer wieder zu bedeutenden Leistungen angespornt hat. Ob dies auch 2018 wiederum der Fall sein ist, wird sich in den nächsten Tagen weisen.

Foto: Gretchen Fraser, erste Olympiasiegerin aus den USA

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Redaktion skionline

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