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Zeit für die letzte Abfahrt

Es wird nur noch einen Tag dauern, bis Aksel Lund Svindal unter Palmen Abstand vom Skisport suchen wird können. Sein Karriereende ist aber ohnehin keine Flucht, es ist dem kaputten Knie geschuldet. Der zweifache Olympiasieger und fünffache Weltmeister zählt bei der WM-Abfahrt in Aare zu den Medaillenanwärtern. „Wir werden ihn vermissen“, sprach Teamkollege Kjetil Jansrud für viele.

Er bedauere nichts, das würde auch keinen Sinn machen, weil man es nicht mehr ändern könnte, sagte Svindal. Aber er würde einiges bessermachen wollen, wenn er eine zweite Chance bekäme. Er hoffe, vieles gelernt zu haben, es sei nicht nur so, dass er gebrochene Knochen und weniger Haare davongetragen habe. Und vor allem: „Der Sport wäre nichts ohne die Freundschaften“, erklärte der Norweger, nachdem er sich ein von einem Journalisten zusammengestelltes Video mit Grußbotschaften von seinen jahrelangen Mitstreitern angeschaut hatte.

Etwas im alpinen Skisport sei einzigartig, versicherte Svindal. Wenn man nach dem Rennen die Ziellinie überquere, würde man später als alle anderen wissen, wie es gelaufen sei. „Und dann schauen alle auf dich und beurteilen deine Reaktion.“ Die man nicht verstecken könne. Aber gleich darauf müsse man mit den Kollegen, Kontrahenten, denen, die man mag und gerade geschlagen habe, wieder zusammen im Zielraum stehen oder Liftfahren. Unperfekte Reaktionen seien okay, umso wertvoller sei die Freundschaft- und Respekt-Sache in intensiven Situationen.

Das Bedauern in der Szene über den Rücktritt des 36-jährigen Svindal ist groß. Was er richtig gemacht habe? „Ich denke, dass ich Glück hatte, als ich als Junger kam und ein Vorbild wie (Kjetil Andre/Anm.) Aamodt hatte.“ Als Teil einer coolen Mannschaft und am besten Platz, den er sich vorstellen konnte, sei er von Beginn an er selbst gewesen. Das habe es leichter gemacht. „Wenn du versuchst, wer anderer zu sein, wirst du vielleicht nervös, wenn du mit den Medien sprichst. Es ist schwierig, an jedem Tag ein perfektes Gesicht zu wahren, wenn du darüber nachdenken musst, was du tust.“

Svindal bereitete sich selbst und die Ski-Welt seit Kitzbühel auf seinen Abschied vor, damit war klar, dass er auf diese Entscheidung nun jeden Tag angesprochen werden würde. Er hätte es auch einfach nach der WM-Abfahrt sagen können, aber dann hätte es die Möglichkeit nicht mehr gegeben, in den letzten Tagen noch mit jedem ein paar Worte zu reden. Das war ihm wichtig, denn er kam zum Schluss: „Es war eine gute Entscheidung, es vorher zu sagen.“

Aufgrund seiner vielen Verletzungen hatte Svindal in den vergangenen Jahren viele Schnee-Auszeiten und die Möglichkeiten, für sein Leben danach vorzusorgen (Investment in Tech-Start-up, Immobilien, Mode). In der näheren Zukunft wird er nicht in den Skisport zurückkehren. Erst wenn er diesen wirklich vermisse, denn
das Wiederkommen geschehe dann aus den richtigen Motiven heraus. Vorher will er aber noch an Plätze mit vielen Palmen reisen, weil er dort Leute treffe, die nicht wissen, dass er Skifahrer sei, und so Gespräche auf anderen Ebenen führen könne.

Der 33-jährige Kjetil Jansrud war 15 Jahre, als er Svindal kennenlernte. „Er kann gute Entscheidungen treffen und gute Analysen machen in schwierigen Situationen. Egal, ob es im Marketing, der Technik, beim Skifahren oder innerhalb der Mannschaft ist.“ Es werde ihm fehlen, sich mit ihm direkt auszutauschen und abzustimmen. „Wir werden ihn vermissen“, sagte Jansrud.

Quelle: APA
Foto: skionline

video: skionline

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Elina Kalela

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