Geschichte

Zum Tod von Anneliese Schuh-Proxauf

Am 17. November starb mit Dr. Anneliese Schuh-Proxauf einer der letzten Zeitzeuginnen des österreichischen Skisports der NS-Zeit und der unmittelbaren Nachkriegszeit. Sie war nicht nur eine Pionierin des Skilaufs, sondern auch eine erfolgreiche Tennisspielerin und Segelfliegerin. Nun verstarb sie im begnadeten Alter von 98 in Innsbruck – jener Stadt, von der ihre sportliche Karriere vor mehr als 70 Jahren ihren Ausgang genommen hatte.

Anneliese Proxauf entstammte einer Familie, die dem Sport sehr verbunden war. Auch ihre ältere Schwester Rosemarie war eine erfolgreiche Skirennläuferin. Nach der Eröffnung der Nordkettenbahn besuchten die beiden Proxauf-Töchter die Skischule auf der Seegrube und nahmen in den 1930-er Jahren an ersten Nachwuchsrennen teil. Es folgten Einsätze bei nationalen und internationalen Wettbewerben, unter anderem bei den später aberkannten Skiweltmeisterschaften in Cortina d´Ampezzo 1941, bei Anneliese Schuh-Proxauf für das Deutsche Reich an den Start ging und drei Bronzemedaillen in der Abfahrt, im Slalom und der Kombination gewann. Damals hatte sie bereits ein Wirtschaftsstudium an der Universität Innsbruck begonnen.

Nach dem Ende des Krieges siegte sie in zahlreichen wichtigen Rennen, unter anderem beim ersten Hahnenkammrennen 1946. Die prestigeträchtige Kombination wurde bis 1961 auch für die Frauen ausgetragen. Der Sieger des Herrenrennens, Karl Koller, arbeitete in der Textilfirma Proxauf, die dem Vater von Anneliese gehörte. Deshalb startete sie in jener Zeit für den Kitzbüheler Skiclub. Einen wichtigen Sieg erreichte sie in der Abfahrt des Arlberg-Kadnahar-Rennens 1948 in Chamonix. Bei den Olympischen Winterspielen in St. Moritz war sie im selben Jahr jedoch durch eine zuvor erlittene Verletzung beeinträchtigt, weshalb sie über die Ränge sechs im Slalom und sieben in der Kombination nicht hinauskam.

In weiterer Folge konzentrierte sich Anneliese Schuh-Proxauf (den Doppelnamen trug sie nach ihrer Hochzeit mit Max Schuh) auf ihr Doktoratsstudium, nahm aber bis 1953 weiterhin an internationalen Rennen teil. Auch im Tennissport war sie aktiv und erreichte mehrere Tiroler Meistertitel. 1955 durfte sie sogar beim Turnier von Wimbledon antreten. Darüber hinaus stellte sie 1960 mit einer absoluten Höhe von 7170 Metern einen österreichischen Rekord im Segelfliegen auf. 1958 hatte sie mit ihrem Mann das Bedarfsfluguntehrmen Aircraft Innsbruck gegründet, welches 1977 als erstes privater Flugunternehmen die Linienberechtigung erhielt. Nach dem Verkauf des Unternehmens entstand daraus die Fluglinien Tyrolean.

Im Jänner 2016 war Anneliese Schuh-Proxauf nochmals in Kitzbühel in Erscheinung getreten, 70 Jahre nach ihrem Gewinn des Hahnenkamm-Rennens. Im darauffolgenden Jahr erhielt sie für ihre Verdienste um den Sport, die Wirtschaft und den Tourismus das Verdienstkreuz des Landes Tirol. Die Andenken an ihr langes Leben als Sportlerin verwahrte sie in ihrem Haus oberhalb von Innsbruck, in dem sie zuletzt zurückgezogen lebte.

 

Quelle: www.skikitz.org
Bildnachweis: Privat. Dr. Anneliese Schuh-Proxauf

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Redaktion skionline

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